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Gen-fokussierte Fasermessung

Präzisere Zuchtwerte

Gen-fokussierte Fasermessung

Text & Grafiken Paul Vallely
Übersetzung Karin Rossmann

Die Standardabweichung (SD) des Faserdurchmessers ist genauso wichtig wie der Mikronwert selbst – wird aber oft übersehen. Neue Messtechnologie ermöglicht es jetzt, die genetisch bedingte Abweichung zwischen einzelnen Fasern isoliert zu erfassen.

Die meisten Züchter von faserproduzierenden Tieren wissen um den Einfluss, den der Faserdurchmesser auf das aus ihren Vliesen hergestellte Endprodukt hat. 

Während der Faserdurchmesser als der Aspekt mit dem größten Effekt für die Weichheit des Endprodukts angesehen wird, spielt die Weichheit des Produktes wiederum eine große Rolle bei dem erzielbaren Preis und der Nachfrage. 

Wenn wir jedoch vom Faserdurchmesser sprechen, sprechen wir allzu oft vom durchschnittlichen Durchmesser. So konzentrieren wir uns zum Beispiel auf den durchschnittlichen Mikronwert, der an der Seite des Tieres bestimmt wird, wenn wir die Vliese von Zuchttieren beschreiben. Der mittlere Durchmesser ist aber nur eine Hälfte der Gleichung. Die andere Hälfte ist der Bereich beim Durchmesser, d. h. wie groß der Unterschied zwischen den feinsten und den gröbsten Fasern ist. 

Um den Punkt zu verdeutlichen, stellen wir uns zwei Vliese vor, bei denen die Messung an der Mitte der Tiere jeweils einen durchschnittlichen Durchmesser von 20 Mikrometern ergibt. Ein Vlies kann Fasern von 15 bis 30 Mikron haben, während das andere Fasern von 10 bis zu 40 Mikrometern haben kann. Hier zeigt sich, dass das erste Vlies für Bekleidung geeignet ist, die “direkt auf der Haut getragen wird”, während die 40-Mikron-Fasern im zweiten Vlies dieses nur für Oberbekleidung wie z.B. Pullover geeignet machen. Daher haben wir zwei Vliese mit dem gleichen durchschnittlichen Durchmesser, die jedoch aufgrund des Unterschieds im Durchmesserbereich für zwei verschiedene Märkte geeignet sind. 

Der Bereich des Durchmessers wirkt sich nicht nur auf die Eigenschaften bei der Verarbeitung/dem Verspinnen und das Endprodukt aus, sondern hat auch Auswirkungen auf die Zuchtergebnisse, denn je höher die Abweichung des Faserdurchmessers eines Zuchttieres ist, desto geringer ist die Vorhersagbarkeit der Vliesqualität seiner Nachkommen. 

Wenn wir ein Vlies oder ein Tier in Bezug auf seinen durchschnittlichen Durchmesser beschreiben, bezeichnen wir dieses Maß als dessen „Mikronwert“, obwohl dies technisch gesehen kein wirklich passender Begriff ist, aber ich schwimme hier gerne „mit dem Strom“….


Zuchtwertschätzung-allespaka

Zuchtwertschätzung

eine Option für Alpakas?

Zuchtwertschätzung

Text & Grafiken Dr. Birgit Fürst-Walt

Zuchtwerte sind bei Rindern, Schweinen und Schafen längst Standard – aber bei Alpakas? Eine erste genetische Analyse von 415 österreichischen Alpakas zeigt: Faserqualitätsmerkmale wie Faserdurchmesser, Komfortfaktor und Stapellänge sind vererbbar und könnten züchterisch gezielt verbessert werden.

Bei anderen Nutztierarten sind geschätzte Zuchtwerte seit langer Zeit ein fester Bestandteil der Zuchtpraxis. Mithilfe der Zuchtwerte können die Erbanlagen eingeschätzt werden, um die Auswahl der züchterisch besten Tiere zu erleichtern. Dabei kommt der Definition des Zuchtziels eine große Bedeutung zu, da es vorgibt, in welche Richtung sich die Population entwickeln soll. Langfristig können Zuchtziele nur dann zielführend sein, wenn alle relevanten Merkmale berücksichtigt werden, wie beispielsweise Leistungs-, Fitness- und Verhaltensmerkmale (siehe Abbildung 1). Abbildung 2 gibt einen vereinfachten schematischen Überblick über die Schritte im Zuchtgeschehen.

Mit der Definition des Zuchtziels ist es natürlich nicht getan – die Leistungsprüfung ist eine unabdingbare Voraussetzung für jede züchterische Tätigkeit. Im Hinblick auf eine sinnvolle Leistungsprüfung stellen eine umfassende und korrekte Datenerfassung, -aufbereitung und -verwaltung unbedingt notwendige Voraussetzungen für eine effiziente Zuchtwertschätzung dar. Die Daten aus der Leistungsprüfung sind schließlich die Grundlage für die Zuchtwertschätzung. Ziel der Zuchtwertschätzung ist die Erstellung einer Rangierung der Tiere einer Population gemäß ihrem züchterischen Wert. Erfolgt die Selektion der Elterntiere für die nächste Generation entsprechend der geschätzten Zuchtwerte, kann man einen entsprechenden Zuchtfortschritt erwarten, das heißt, dem Zuchtziel näherkommen.

Allgemeines
Unter dem Zuchtwert versteht man die im Durchschnitt bei den Nachkommen wirksamen Erbanlagen. Mit dem Zuchtwert eines Tieres soll also nicht die eigene Leistung beurteilt werden, sondern die Leistung seiner Nachkommen, wenn es an durchschnittliche Paarungspartner angepaart wird. Der Zuchtwert eines Tieres ist im Gegensatz zu seinem Genotyp keine fixe, sondern eine variable Größe und ändert sich mit der jeweiligen Population, zu der man das betreffende Tier in Beziehung setzt.

Prinzipien der Zuchtwertschätzung
Die grundsätzlichen Prinzipien der Zuchtwertschätzung beruhen auf folgenden Punkten:

  • Die Leistung bei den meisten Merkmalen wird sowohl durch die genetische Veranlagung als auch durch die Umwelt geprägt. Eine wesentliche Aufgabe der Zuchtwertschätzung ist daher die Trennung der genetischen von den umweltbedingten Einflüssen. Für die Zucht sind nur genetische Effekte interessant – je besser die Trennung von Genetik und Umwelt funktioniert, umso größer ist der mögliche Zuchtfortschritt! …
Suris 1- eine antike Spurensuche - allespaka

Suris – eine antike Spurensuche

Suris – eine antike Spurensuche

Text MA Martina Wiede

Die Geschichte der Neuweltkameliden reicht über 6000 Jahre zurück und mit ihr beginnt auch die Frage nach dem Ursprung der Suris. Waren die lockigen Alpakas und Lamas bereits den Inkas bekannt oder sind sie eine moderne Zuchterfindung?

Dieser Artikel nimmt dich mit auf eine Spurensuche durch die Anden-Hochkulturen und zeigt, warum die Herkunft der Suris bis heute ein Rätsel bleibt.

In einer Zeit, als in den Bergen noch Götter wohnten, wurden die ersten Guanako- und Vikunjaherden zusammengetrieben und es begann der weite Weg vom Wild- zum Haustier.

Vor 6.000-7.000 Jahren, so beschreiben es archäologische Knochenfunde, war es dann soweit: Die Indios im Hochland der Anden hatten die ersten Alpakas und Lamas gezüchtet.

Wie die Tiere genau aussahen ist unbekannt. Vielleicht entstand ja schon bei diesen ersten Zuchtversuchen ein Suri, wahrscheinlich ist es jedoch nicht und beweisen lässt es sich anhand der archäologischen Funde erst recht nicht, denn über blanke Knochen lässt sich die Erscheinungsform der damaligen Tiere nicht rekonstruieren. Es dauerte noch einmal 3.000-4.000 Jahre bis man aufgrund von Textilfunden von einer gezielten Farb- und Faserzucht sprechen kann. Auch wenn es schwer ist, bei den Textilien zu unterscheiden, ob es sich um grobe Alpakafasern oder feinstes Lamahaar handelt, oder ob die feinsten Alpakatextilien vielleicht aus grobem Vikunjahaar gefertigt wurden, so soll es doch Surifasern in Textilien aus vorkolonialer Zeit geben.

Aus den Aufzeichnungen spanischer Chronisten weiß man, dass unter dem Regime der Inkas (13. bis 16. Jahrhundert) streng reglementierte Strategien für eine gezielte Kamelidenzucht herrschten. Dieses riesige Reich brauchte kräftige, starke Packtiere für den Warenaustausch, für den Erzabbau, es benötigte Lasttiere für seine Armeen, und die Inkas mussten innerhalb ihres Reiches die Menschen kleiden, also züchteten sie Tiere mit besonderen Faserqualitäten für die staatliche Textilproduktion…

Vorbereitung auf die Geburtssaison_Allespaka

Vorbereitung auf die Geburtssaison

geburt bei neuweltkameliden

Vorbereitung auf die Geburtssaison

Text & Fotos  Ilona Kindler

Die Geburtssaison bei Alpakas und Lamas ist aufregend, aber auch kritisch. Die ersten 6 Stunden nach der Geburt entscheiden über Leben und Tod des Fohlens, denn ohne ausreichend Kolostrum hat ein Neugeborenes kaum Überlebenschancen.

In diesem Artikel erfährst du, wie du dich optimal vorbereitest, warum Kolostrum so entscheidend ist, was in deinen Geburtskoffer gehört und wie du trächtige Stuten in den letzten Monaten richtig versorgst.

Das Frühjahr steht vor der Tür und damit beginnt für die meisten Alpaka- und Lamazüchter bald die Geburtssaison. Neuweltkameliden unterscheiden sich bei Geburt und Versorgung von Jungtieren wesentlich von anderen Tierarten. Jetzt ist die Zeit, sich gut darauf vorzubereiten.

Die Trächtigkeitsdauer bei Neuweltkameliden variiert im Durchschnitt von 335 bis 360 Tagen. Es gibt auch vereinzelt Fälle, in denen es zu Frühgeburten kommt oder die Trächtigkeit länger als ein Jahr dauert. Deshalb ist es sehr wichtig, den Deckverlauf schriftlich festzuhalten.

Die ungeborenen Fohlen wachsen in den letzten drei Monaten der Trächtigkeit am schnellsten. Durch regelmäßiges Wiegen kann eine Trächtigkeit sicher festgestellt werden. Die Stuten brauchen in dieser Zeit besondere Beachtung. Man kann körperliche Veränderungen feststellen, eine Vergrößerung des Bauches aufgrund des wachsenden Fohlens im Mutterleib bemerken – möglicherweise kann man Bewegungen durch die Bauchdecke und gelegentlich unter dem Schwanz sehen.

Praktisch ist es, wenn man die trächtigen Stuten vom Rest der Herde in ein Geburtspaddock separiert. Das ist natürlich nur bei großen Gruppen sinnvoll. Trächtige Stuten müssen mit einem eiweißreicheren Futter versorgt werden. Gut geeignet sind Heu vom 2. Schnitt und Luzerne. Die Stuten sollten mit einem Bodyscore 4 in die Geburtssaison gehen. Jetzt sollten auch Kotproben entnommen und notwendige Behandlungen mit dem Tierarzt durchgeführt werden. Auch eine Impfung gegen Clostridien, zwei Monate vor der Geburt, schützt die ungeborenen Fohlen vor Infektionen, die meist tödlich enden. 

Eine gesunde und gut versorgte Stute wird auch ein gesundes Fohlen bekommen. Oft werde ich gefragt, ob man trächtige Stuten scheren darf. Scheren bedeutet natürlich Stress. Aber durch ein gutes Management beim Scheren ist es nur ein kurzer Stress von 15-20 Minuten. Hitze bedeutet für eine trächtige Stute im vollen Vlies Dauerstress. Deshalb lautet meine Antwort: …

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Blutwerte richtig deuten

Labordiagnostik für Alpakas

Blutwerte richtig deuten

TEXT Dr. Anna-Linda Golob
FOTO KI generiert

Alpakas lassen es sich kaum anmerken, wenn es ihnen nicht gut geht. Als Fluchttiere maskieren sie Schwäche und Unwohlsein so lange wie möglich. Wenn es dann soweit ist, dass sie uns krank erscheinen, zeigen sie häufig unspezifische Symptome wie vermehrtes Liegen, verminderte Futteraufnahme, Teilnahmslosigkeit und Absonderung. Aus diesen Gründen kommt labordiagnostischen Blutuntersuchungen sowohl in der Prophylaxe als auch im Krankheitsfall besondere Bedeutung zu.

Eine Blutuntersuchung beinhaltet die hämatologische Untersuchung und die klinisch-chemische Blutanalyse. Viele Routineuntersuchungen können inzwischen mit Hilfe von in-house-Geräten in der Tierarztpraxis durchgeführt werden. Dabei ist zu beachten, dass diese Geräte evtl. die Blutzellen von Neuweltkamelen nicht zuverlässig erkennen. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Analysen im Veterinärlabor durchführen zu lassen.


Bei der hämatologischen Untersuchung wird das sog. rote Blutbild (Erythrozytenzahl, Hämatokrit, Hämoglobin) sowie die Leukozytenzahl und die Thrombozytenzahl gemessen. Für ein „großes Blutbild“ erfolgt darüber hinaus eine Differenzierung der Leukozyten, der sog. weißen Blutzellen, die bei Entzündungsreaktionen eine wichtige Rolle spielen. Für die Erstellung eines Blutbildes ist es wichtig, dass das Blut in ein Probenröhrchen mit Gerinnungshemmern entnommen wird, z.B. EDTA oder Heparin.


Ein zeitnah angefertigter Blutausstrich kann hilfreich sein, wenn ein Blutbild maschinell aufgrund von Zelldegeneration nicht mehr ausgewertet werden kann. Bei anämischen Tieren kann ein Blutausstrich darüber hinaus wichtige Informationen über die Ursache der Blutarmut liefern.


Im Rahmen der klinisch-chemischen Blutuntersuchung werden Stoffwechselprodukte, Enzymaktivitäten und Mineralstoffe analysiert. Damit diese Stoffe möglichst unverändert bleiben, sollten auch für diese Untersuchungen geeignete Probenröhrchen verwendet werden, z.B. Serumröhrchen. Durch Zentrifugation werden die zellulären Bestandteile des Blutes vom Überstand separiert und nur der Überstand wird untersucht. Diese Trennung von Serum und Blutkuchen ist wichtig, um Veränderungen der Inhaltsstoffe des Serums durch weiteren Stoffwechsel der Zellen zu vermeiden. Zudem minimiert sie das Risiko der Hämolyse, der Zerstörung der Erythrozyten, welche sowohl die Mineralstoff-Konzentrationen im Serum verfälschen kann als auch die photometrischen Messungen anderer Parameter.


Für die Stoffwechseldiagnostik werden im Serum Substrate gemessen, die End- oder Zwischenprodukte im Stoffwechsel darstellen. So kann überprüft werden, ob der Organismus ausreichend mit Nährstoffen und Energie versorgt wird. Bei der Enzymdiagnostik werden …

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Gewichtsverlust bei Alpakas

Systematische Ursachensuche

Gewichtsverlust bei Alpakas

TEXT Claire E. Whitehead
Foto My Alpakas

Gewichtsverlust bei Alpakas erfordert eine systematische Herangehensweise: Zahnkontrolle, Kotuntersuchung auf Parasiten und Futterqualitätsprüfung sind die ersten Schritte. Bei komplexeren Fällen helfen Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren bei der Diagnose.

Gewichtsverlust ist ein häufiges und besorgniserregendes Thema bei Alpakas, mit einer Vielzahl möglicher Ursachen. Um es effektiv anzugehen, muss das zugrunde liegende Problem identifiziert werden, da die Auslöser von schlechter Ernährung bis hin zu chronischen Krankheiten reichen können. Während die Diagnose des genauen Problems oft tierärztliches Fachwissen erfordert, gibt es Dinge, die Sie als Halter unternehmen können, um den ersten Schritt zu machen und wertvolle Informationen zu sammeln. Zögern Sie jedoch nicht, Hilfe anzufordern, wenn der Gewichtsverlust dramatischer oder besorgniserregender ist oder das betroffene Alpaka nicht frisst!

Beginnen Sie mit den Grundlagen

Einige der häufigsten Ursachen für Gewichtsverlust sind einfach zu überprüfen. Beginnen Sie mit der Beurteilung des Körperzustands des Tieres (Abbildung 1) und führen Sie eine gründliche visuelle und körperliche Beurteilung durch:

Untersuchung der Zähne

Überprüfen Sie, ob die Schneidezähne zu lang sind oder ob die Backenzähne scharfe Spitzen haben, die Schmerzen verursachen könnten. Greifen Sie dabei nicht den Fingern in das Maul Ihres Alpakas, denn es hat sehr scharfe Zähne! Mein Vorschlag: Tasten Sie lieber an der Außenseite am Kiefer entlang ob sich etwas “komisch” anfühlt. Mit zunehmendem Alter der Tiere können sich die Backenzähne manchmal lockern und nach außen zeigen. Möglicherweise können Sie auch Lücken erkennen, wo Zähne fehlen können.

Tasten Sie entlang der Kieferlinie nach Schwellungen, die auf einen Zahnwurzelabszess hinweisen können (Abbildung 2). Wenn Sie dies feststellen, rufen Sie Ihren Tierarzt an, und besprechen Sie gemeinsam mit ihm den Schweregrad und die Behandlungsmöglichkeiten. Röntgenaufnahmen eignen sich am besten für die Entscheidung, ob eine medizinische oder chirurgische Behandlung am besten geeignet ist.

Ausschluss von Parasiten 

Sammeln Sie eine frische Kotprobe, um sie auf Würmer, Kokzidien (insbesondere Eimeria macusaniensis) und Egel untersuchen zu lassen, wenn diese in Ihrer Region ein Problem darstellen. 

Es ist in den meisten Fällen empfehlenswert, Kotproben von einigen anderen Tieren zusammen mit der Probe von dem betreffenden Tier einzuschicken, da manchmal präpatente Bürden einige Tiere belasten können, während andere Tiere hohe Bürden haben, aber noch keine klinischen …

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Kommunikation bei Alpakas und Lamas

Körpersprache, Mimik und Lautäußerungen verstehen

Kommunikation bei Alpakas und Lamas

TEXT Dr. med. vet. Ilona Gunsser
Foto Lippeauen Alpakas

Als Herdentiere kommunizieren Alpakas und Lamas über komplexe Körpersprache, Mimik und verschiedene Lautäußerungen. Von Humming über Stressanzeichen bis hin zum charakteristischen Alarmschrei – wer die Signale richtig deutet, kann besser auf die Bedürfnisse seiner Tiere eingehen.

Alpakas und Lamas sind Herdentiere. Um das Gruppenleben zu organisieren, ist eine Verständigung innerhalb der Gruppe wichtig. Wie bei anderen Tierarten und den Menschen findet diese Verständigung mittels der Körpersprache, in Form von Körperhaltung und Mimik, und der Lautsprache statt. Das Prinzip ist bei allen Gruppenmitgliedern dasselbe. Die individuelle Umsetzung bei einzelnen Individuen kann sich allerdings unterscheiden und ist auch von der uneingeschränkten Funktionsmöglichkeit des Sehsinnes, Hörsinnes und Riechsinnes abhängig.
Kommunikation durch Körpersprache

Zur Körpersprache gehören die Stellung der Ohren, des Schwanzes sowie die Körperspannung (vor allem im Hals- und Rückenbereich) und die Blickrichtung. Die Körpersprache muss immer als Gesamtes betrachtet werden. So ist zum Beispiel die Ohrenstellung allein nicht aussagekräftig, die häufige Bewegung der Ohren dient auch dem verbesserten Empfang der Umgebungsgeräusche.

Die Abbildungen 1-3 zeigen die typischen körperlichen Anzeichen bei Entspannung, beginnender Aggression, Drohhaltung, Spucken und Unterkieferhaltung nach aggressivem Spucken. Die Beurteilung der Körpersprache im Bereich des Schwanzes ist bei ungeschorenen Alpakas schwierig, da er von den langen Fasern verdeckt sein kann.

Beim aggressivem Spucken wird Mageninhalt, der normalerweise regurgitiert und dann wiedergekäut wird, mittels der Zunge mit Druck in Richtung des Bedrohten ausgespuckt. Nach starken Spuckattacken entsteht druckbedingt eine neurologische Irritation im hinteren Rachen, die vorübergehend das Abschlucken von Futter nicht möglich macht. Der Spucker lässt den Unterkiefer hängen, kann aber trotzdem zubeißen, falls nötig.

Kameliden spucken gezielt mit Mageninhalt, um sich zu verteidigen. Es entspricht dem beim Menschen ausgeführten Anspucken einer anderen Person mit Speichel. Diese Technik ist nicht vergleichbar mit dem bei einigen Tieren und beim Mensch auftretenden Erbrechen bei einer Erkrankung.

Die Abbildung 4 zeigt ein Alpaka, das sich unterordnet. Dies findet man eher bei jungen Tieren. Bei der Unterordnung versucht das Tier, sich durch Senken des Halses klein zu machen. Zusätzlich wird dabei der Schwanz auf den Rücken geklappt. Ein auf den Rücken Legen des Schwanzes ohne Absenkung des Halses ist ein Zeichen …

vlies CEM allespaka

CEM – „Coarse Edge Micron“

Faserqualität

CEM – „Coarse Edge Micron“

TEXT Paul Vallely
ÜBERSETZUNG Anita Selig-Smith

Faserproduzenten, die die Qualität ihrer Fasern in den Vordergrund stellen, sind sich der Vorteile bewusst, die sich aus der Messung der Variation des Faserdurchmessers bei ihren Tieren ergeben. Tiere, die Fasern mit geringer Variation im Faserdurchmesser produzieren, zeigen eine größere Vorhersagbarkeit von Fasermerkmalen bei ihren Nachkommen, produzieren Fasern mit überlegener Verarbeitungsleistung und haben oft Erfolg auf Shows und bei Ausstellungen aufgrund ihrer relativ weicheren Fasern und der Einheitlichkeit der Stapellänge.

Der zusätzliche Vorteil bei der Zucht auf geringe Unterschiede im Faserdurchmesser ist die größere Vererblichkeit dieses Merkmales und daher ist es wahrscheinlicher, dass es an zukünftige Generationen weitergegeben wird. Dies bedeutet wiederum eine relativ schnellere Rate genetischer Verbesserung im Vergleich zu den meisten anderen Merkmalen. Wie viele Faserproduzenten wissen, ist die Statistik, die wir suchen, wenn wir die Variation des Faserdurchmessers messen, die Standardabweichung oder SD (aus dem Englischen: standard deviation). SD wird aus einer komplexen statistischen Berechnung abgeleitet, die am Ende einfach bedeutet, wie weit wir uns auf beiden Seiten des Durchschnitts bewegen müssen, um zwei Drittel der Gesamtvariation zu erfassen.

Zum Beispiel bedeutet eine mittelgroße Faserprobe mit einem Durchschnitt von 20,5 Mikron und einer SD von 4,0 Mikron im Allgemeinen, dass zwei Drittel der Fasern in dieser Probe zwischen 16,5 und 24,5 Mikron liegen.

Faserproduzenten mit Kenntnissen über die objektive Vliesmessung sind sich bewusst, dass die Mikronvariation der Fasern in einer Probe nicht gleichmäßig vom Durchschnitt abfällt. Die meisten faserproduzierenden Tiere haben eine Variation, die eher am groben als am feinen Rand der Gesamtvariation ausläuft.

Es ist beispielsweise üblich, in einer Faserprobe oder einem Stapel feinere Fasern bis zu 10 Mikron feiner als den Durchschnitt zu sehen, während die groben Fasern bis zu 15 Mikron gröber als der Durchschnitt sein können. Zwei Beispiele für eine Variation, die typischerweise am groben Rand ausläuft, sind in den Diagrammen 1 und 2 dargestellt. Diese Fasertest-Histogramme zeigen einige Fasern, die etwa 10 Mikron feiner als der Durchschnitt sind, aber Fasern, die etwa 15 Mikron gröber als der Durchschnitt sind. Es sollte beachtet werden, dass die Variation auf beiden Seiten des Durchschnitts jedoch in einem Muster abfällt, das als ’normale Verteilung‘ beschrieben werden kann und somit eine relative Wiederholbarkeit bei objektiven Messungen gewährleistet. Es ist dieses Problem der Variation des Faserdurchmessers, das am groben Rand ausläuft, das eines der größten Probleme für Produzenten von Naturfasern darstellt.

Diese übermäßig groben Fasern haben das Potenzial, die Griffigkeit von Vliesen und das daraus entstehende Garn und damit auch den Stoff zu verrauen, selbst wenn es nur sehr wenige sind. Der Grund dafür ist, dass im Allgemeinen gilt: je höher die Mikronzahl der Faser, desto größer ist der Widerstand gegen Kompression. Das bedeutet, dass sie gegenüber den feineren Fasern im Vlies oder im Produkt, das aus diesem Vlies hergestellt wurde, viel mehr ein kratzendes Gefühl auf der Haut ausüben werden. Mit anderen Worten: eine sehr geringe Anzahl von sehr groben Fasern kann ein ansonsten wertvolles Vlies zerstören.

Offensichtlich haben diese groberen, raueren Fasern auch Konsequenzen …

alpaca fiesta 2024 peru allespaka

Alpaca Fiesta 2024 in Peru

Erfahrungsbericht

Alpaca Fiesta 2024 in Peru

Text & Fotos Robin Näsemann

Der internationale Alpaka-Richter Robin Näsemann berichtet über seinen Einsatz als Alpaka-Richter auf der Alpaca Fiesta (21.–26. Oktober 2024) in Arequipa/Peru – eine der international wichtigsten Shows der Welt. Ein Bericht aus erster Hand über die persönlichen Erfahrungen, Eindrücke und Wahrnehmungen des international tätigen und AOA zertifizierten Alpaka-Richters.

Alpaca Fiesta: das Who‘s Who der Alpaka-Welt zu Gast im Alpaka-Ursprungsland Peru

Die von der AIA (International Alpaca Association) organisierte Alpaca Fiesta in Arequipa/Peru genießt den Ruf des wichtigsten Alpaka-Events der Welt. Die sechstägige Veranstaltung zielte auch letztes Jahr darauf ab, Züchter weltweit, verarbeitende Industrieunternehmen und Institutionen, die an der Wertschöpfungskette Alpaka beteiligt sind, in einem festlichen und wettbewerbsintensiven Ambiente zusammenzubringen und die Alpakafaser auf dem globalen Textilmarkt zu fördern.

Alpaca Fiesta ist zugleich auch eine Ordermesse, welche neben Alpaka-Produkten auch mit Produktangeboten wie Pima Cotton – also Baumwolle aus Peru – oder Vikunjavlies aus Peru Einkäufer aus der ganzen Welt lockt.

Alpaca Fiesta ist auch im Hinblick auf die Rahmenveranstaltungen ein Event der Extraklasse: zahlreiche Vorträge, Panel-Diskussionen und Gala-Dinner laden internationale Züchter sowie Industrievertreter und Produzenten zum gemeinsamen Austausch ein.

Das Programm: 6 Tage „Alles Alpaka“ – die internationale Alpaka-Welt feiert das Alpaka

Den Auftakt zu einer spektakulären Eventwoche machten am Montag die Besichtigung von Fabriken und geführte Besuche in den wichtigsten Industrieanlagen von Arequipa, in denen Alpakafasern verarbeitet werden. Als Besucher konnten wir dort alle Schritte des Textilprozesses wie Sortieren, Waschen, Kardieren, Kämmen, Spinnen, Färben, Weben oder Stricken, Konfektionieren und Veredeln von Kleidungsstücken aus nächster Nähe beobachten. Unter den Besichtigungszielen war die größte Alpaka-Spinnerei der Welt.

Vicuña Chaccu – traditionelle Gewinnung des „Vlieses der Götter“

Am Dienstag gab es ein besonderes Highlight der Alpaca Fiesta: die sogenannte Vicuña Chaccu – das traditionelle Eintreiben und Scheren der Vikunjas. Chaccu (ein Quechua-Wort für Vikunja-Fang) ist ein aus dem Inka-Reich überliefertes traditionelles Ritual, bei der lebende Vikunjas zur Gewinnung ihrer feinen Fasern eingefangen werden; anschließend werden …

alpakas halten ohne zwang allespaka

Halten ohne Zwang

Camelid Dynamics

Halten ohne Zwang

TEXT SYBILLE KLASING-MANN
FOTOS
MARTY MCGEE BENNETT

Wer kennt es nicht? Während die Herde an uns vorbei trabt, bemerken wir plötzlich eine kleine Auffälligkeit. Der Versuch, das Tier kurz anzuschauen, endet oft in einer Rangelei. Doch muss das wirklich sein? Dieser Artikel zeigt, wie man Alpakas stressfrei und ohne Zwang halten kann, um Untersuchungen und Pflege entspannt durchzuführen. Entdecken Sie eine sanfte Methode, die auf Vertrauen statt auf Kraft setzt und die Beziehung zu Ihren Tieren stärkt.

Wer kennt es nicht? Während die Herde an uns vorbei trabt, bemerken wir plötzlich diese kleine Beule an Milos Kiefer, das Fleckchen nackte Haut auf Pedros Nase oder eine Wunde an Emilios Bein. Man möchte schnell mal einen Blick darauf werfen und schon beginnt das Chaos. Mit einer Hand umfassen wir Milos Hals, er steigt, schüttelt uns ab und rennt unbeirrt weiter. 

Schon klar, auf der Weide ist das Einfangen schwierig, also verlegen wir die Aktion auf später im Stall. Dort kann er nicht entkommen, und mit zwei Personen lässt er sich bestimmt greifen. Einer versperrt den Fluchtweg, der andere versucht erneut, Milos Hals zu packen. Der steigt diesmal nicht nur, sondern unterstreicht seinen Ärger noch mit einem gut gezielten grünen Spuckeklumpen und ein bisschen Gezeter. Normales Alpakaverhalten? Milo ist schließlich ein dominanter Deckhengst und wir müssen ihm zeigen, wo der Hammer hängt? Andernfalls lernt er, dass er alles mit uns machen kann? Richtig? Nein! 

Unsere Alpakas sind Fluchttiere. Das heißt, eine schnelle Flucht ist ihre wirksamste Strategie, sich vor Fressfeinden zu schützen. Das wichtigste Werkzeug ist dabei ein Satz schlanker, flinker Beine. Aus ihrer Sicht ist daher der Griff nach ihren Beinen eine Bedrohung von Leib und Leben und nur erträglich, wenn die Klauenpflege vertrauensvoll aufgebaut wurde. Das nur mal nebenbei … 

Was genau passiert, wenn wir unsere Alpakas in die Ecke drängen? Wir schneiden ihnen den Fluchtweg ab und provozieren damit eine Gegenwehr in Form von treten, beißen, spucken, steigen oder was auch immer. Möglich ist auch das komplette Erstarren als Angstreaktion. Auf den ersten Blick sehr praktisch für uns, weil das Tier sich nicht wehrt, aber Vertrauen bauen wir auf diese Weise sicherlich nicht auf. 

Dass diese Methoden zumindest schnell gehen ist ebenfalls ein Trugschluss. Ich selbst war vor 20 Jahren nach derartigen Rangeleien mit meinen ersten Alpakas sehr erschöpft und …