Zahnprothese für Alpaka

Unser Alpaka bekommt eine Zahnprothese

Unser Alpaka bekommt eine Zahnprothese

Text Verena spindler

Vor vielen Jahren sagte mir einmal jemand: „Wenn Du das Normale bei Deinen Tieren im Griff hast, heißt das nicht, dass sie nichts mehr bekommen – aber es wird exotischer.“ Dieser Satz hat sich in unserer mittlerweile über 20-jährigen Alpakahaltung immer wieder bewahrheitet.

Der Schock war groß …als unsere vielversprechende Jungstute bei ihrem ersten Showauftritt nach hinten gesetzt wurde – mit der Begründung, dass die Zähne nicht korrekt stehen.

Zu Hause wollten wir die vermeintliche Fehlstellung genauer beurteilen und gegebenenfalls korrigieren. Dabei stellten wir jedoch schnell fest, dass sich die zunächst vermutete Zahnfehlstellung gar nicht bestätigte. Stattdessen zeigte sich ein ganz anderes Problem: Die betroffenen Schneidezähne waren deutlich gelockert und schienen traumatisch geschädigt. Es wirkte, als hätte sich die Stute diese teilweise herausgebrochen.

Zusätzlich waren seitlich im Zahnfleisch sowie im Übergangsbereich zwischen Zahn und Gingiva tiefe Einrisse sichtbar. In diesen Bereichen zeigten sich außerdem entzündliche Veränderungen.

Interessanterweise war die Jungstute klinisch zu keinem Zeitpunkt auffällig gewesen. Sie zeigte keinerlei Probleme bei der Futteraufnahme, fraß völlig normal und auch ihre Gewichtsentwicklung verlief konstant. Mit gerade einmal sieben Monaten hatte sie bereits deutlich die 40-kg-Marke überschritten.

Trotzdem war natürlich klar: So konnte es nicht bleiben. Warum wir uns gegen eine Extraktion entschieden …

Candidatus Mycoplasma haemolamae alpaka

Candidatus Mycoplasma Haemolamae

Candidatus Mycoplasma Haemolamae

Text & Bilder Dr. Sarah Grund

Mycoplasmen sind in vielen Alpaka- und Lamabeständen nachweisbar, doch längst nicht jedes infizierte Tier erkrankt auch. Umso wichtiger ist es, die Zusammenhänge zu kennen und klinische Veränderungen richtig einzuordnen. Wann eine Infektion tatsächlich relevant wird und worauf Halter achten sollten, erklärt dieser Beitrag.

Candidatus Mycoplasma haemolamae (nachfolgend als Mycoplasma bezeichnet) ist ein Bakterium, dass den roten Blutzellen (Erythrozyten) bei Neuweltkamelen aufsitzt und diese in ihrer normalen Funktion beeinträchtigt. Daher werden Mycoplasmen oft auch als Blutparasiten bezeichnet. Die Beeinträchtigung infizierter Tiere und die Ausprägung von Symptomen aufgrund einer Infektion ist jedoch sehr unterschiedlich. Nicht jedes infizierte Alpaka oder Lama ist krank! Viele Tiere sind symptomlose Träger.

Symptome

Viele Tiere zeigen keine klinischen Symptome, obwohl sie mit Mycoplasmen infiziert sind. Eine chronische Infektion kann jedoch auch zu schleichender Abmagerung, geringerer Leistungsfähigkeit und einem reduzierten Allgemeinverhalten führen. Bricht die Erkrankung aufgrund auslösender Faktoren akut aus, werden die befallenen Erythrozyten abgebaut, was wiederum zu einer Anämie (Mangel an Erythrozyten) führt. Das Immunsystem kann im Akutfall die massenhafte Vermehrung der Mycoplasmen nicht eindämmen, die Schleimhäute sind blass, die Tiere sind schwach und kommen teilweise zum Festliegen.

Auslöser für den akuten Ausbruch können Stress (Verkauf, Transport, Ausstellungen, Geburt), Parasitosen und andere Erkrankungen sein.

Verbreitung

Studien aus Österreich und der Schweiz zeigten in flächendeckenden Screenings, dass 18 bis 25% aller Neuweltkamele positiv auf Mycoplasmen getestet werden können, wovon nur ein Bruchteil Symptome zeigt. Es ist davon auszugehen, dass nahezu jeder Bestand infizierte Tiere aufweist. Eine Untersuchung in Tennessee (USA) wies bei über einem Drittel aller klinisch gesunden Tiere Mycoplasmen nach.

Übertragung

Zucht und Genetik bei Alpakas

Zucht und Genetik

Probleme & Lösungsmöglichkeiten

Zucht und Genetik

Text Dr. Ilona Gunsser
Foto Alpakafarm Hirtenaue

Gute Zucht beginnt lange vor der Anpaarung. Wer gesunde und leistungsfähige Tiere züchten möchte, kommt an einer sorgfältigen Beobachtung, fundiertem Wissen und einer ehrlichen Bewertung der eigenen Zuchttiere nicht vorbei. Dieser Beitrag zeigt, welche Rolle Genetik dabei spielen kann und worauf Züchter besonders achten sollten.

In der Alpaka- und Lama-Zucht ist die Genetik die wichtige Basis für die Gesundheit, das Wesen und das Erscheinungsbild der Nachkommen. Bei den meisten Haustierarten können heute DNA-Tests die Risiken eines möglichen Weitergebens von Erbkrankheiten reduzieren und die genetische Vielfalt erhalten. Da Alpakas außerhalb von Südamerika als „Nischentiere“ eingestuft werden, besteht leider weniger Interesse für die Entwicklung solcher Testmöglichkeiten. Aktuell gibt es Tests nur bei Alpakas für den Letalitätsfaktor, der durch das Kit-Gen bei Alpakas der Farbe „classic gray“ verursacht wird. Das bedeutet, die Auswahl von geeigneten Zuchttieren, die Kontrolle der Zuchtergebnisse und nötigenfalls der Zuchtausschluss von Tieren, die diverse gesundheitliche Probleme vererben können, obliegt allein den Züchtern.

Zu den Erschwernissen dieser Aufgaben gehört, dass Alpakas und Lamas schon mit ca. 1,5 – 2 Jahren zur Zucht eingesetzt werden, also noch im Milchzahnalter. Ausgewachsen sind diese Tiere allerdings erst mit ca. 5 Jahren. Etwaige problematische, angeborene Veränderungen sind in der jungen Altersklasse, in der sie zur Zucht eingesetzt werden, oft noch nicht vollständig ausgeprägt, oder wegen ihrer zu diesem Zeitpunkt noch geringen Größe nicht zu ertasten und deshalb auch leicht zu übersehen.

Oft fallen genetisch bedingte Fehlbildungen und Fehlstellungen dann erst bei älteren, ausgewachsenen Zuchttieren auf. Da diese jedoch schon einige Jahre zuvor in der Zucht eingesetzt wurden, sind solche genetisch vorhandenen Probleme gegebenenfalls schon auf ihre Nachkommen übertragen worden. Dies ist besonders kritisch bei Hengsten zu sehen, die wegen ihrer in jungem Alter sichtbaren Qualitäten auf Veranstaltungen erfolgreich sind und deshalb danach häufig in der Zucht eingesetzt werden.

Wie erkennt man Fehlstellungen und Missbildungen? Es empfiehlt sich, besonders die Zuchttiere häufig …

Giftpflanzen für Alpakas

Giftpflanzen – Risiken für Neuweltkameliden

Giftpflanzen – Risiken für Neuweltkameliden

Text Barbara Teichmann
Foto Stephanie Traub

Giftpflanzen werden häufig erst dann zum Thema, wenn bereits etwas passiert ist. Dabei lassen sich viele Risiken mit etwas Aufmerksamkeit und dem richtigen Wissen vermeiden. Welche Pflanzen für Neuweltkameliden problematisch sind und worauf Halter besonders achten sollten, zeigt dieser Überblick.

Das Frühjahr und der Sommer sind Zeiten in denen Pflanzen, Bäume und Sträucher besonders üppig wachsen. Jetzt ist Vorsicht geboten, denn viele Wild- und Kulturpflanzen enthalten toxische Substanzen, die bei deren Aufnahme zu Vergiftungen führen können. Für Halter von Neuweltkameliden ist es wichtig, die häufigsten Giftpflanzen zu kennen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Ein bewusster Umgang mit der Weidegestaltung und das Wissen um typische Giftpflanzen sind entscheidend, um die Gesundheit der Tiere zu schützen und Vergiftungen vorzubeugen.

Typische Giftpflanzen in der Weidezeit…

Warum sind Neuweltkameliden betroffen?
Neuweltkameliden sind Pflanzenfresser mit einem empfindlichen Verdauungssystem. Neugierde oder Futtermangel können dazu führen, dass sie giftige Pflanzen oder giftige Bestandteile von Bäumen und Sträuchern aufnehmen. Gerade junge oder frisch gefällte Äste können attraktiv wirken.

Die Symptome einer Vergiftung variieren je nach Pflanze und Menge, reichen aber von Magen-Darm-Beschwerden über Koordinationsstörungen bis hin zu schweren Organversagen.

Prävention und Schutzmaßnahmen…

Faserverarbeitung Alpakawolle

Faserverarbeitung von Alpakavlies

mit Begeisterung oder als notwendiges Übel?

Faserverarbeitung von Alpakavlies

Text Pia schindler
Foto Alpakaland Österreich

Warum entstehen aus manchen Vliesen hochwertige Produkte und aus anderen nicht?
Die Antwort liegt nicht nur in der Faserqualität selbst, sondern in vielen kleinen Entscheidungen, die schon lange vor der Verarbeitung getroffen werden. Wer das berücksichtigt, legt den Grundstein für eine erfolgreiche Nutzung der Alpakafaser.

Die Tierauswahl ist die Grundlage für hochwertige Faser. Eine bewusste Auswahl der Tiere ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen Faserverarbeitung. Schon bei der Anschaffung sollte das Thema Faserqualität berücksichtigt werden. Da die jährliche Schur verpflichtend ist, stellt sich nicht die Frage, ob Faser anfällt, sondern wie gut sie genutzt werden kann.

Wer die gewonnene Rohwolle hochwertig verwerten möchte, sollte bei der Tierauswahl und später auch in der Zucht besonderes Augenmerk auf die Fasermerkmale legen. Die Frage, warum man sich für Tiere mit einem guten Vlies entscheiden sollte, greift daher zu kurz.

Die Faserfeinheit ist entscheidend für ein angenehm weiches und hautschmeichelndes Endprodukt. Ebenso wichtig ist die Gleichmäßigkeit der Fasern, die im Faserhistogramm durch den SD-Wert beschrieben wird. Ein Vlies mit vielen feinen Fasern, aber zugleich einem hohen Anteil grober Grannenhaare, fühlt sich im fertigen Produkt weniger angenehm an als ein gleichmäßiges Vlies mit einer ausgewogenen Faserstruktur.

Diese Überlegungen sollten jeden Alpakahalter bereits vor dem Kauf seiner Tiere sowie bei züchterischen Entscheidungen begleiten. Eine Faserauswertung durch ein Faserlabor kann dabei wertvolle Unterstützung für fundierte Entscheidungen bieten.

Saubere Vliese erleichtern die Verarbeitung. Eine hohe Faserdichte und eine gute Vliesstruktur tragen dazu bei, das Vlies vor Verschmutzungen zu schützen. Mit Heu-, Stroh- oder anderen Umweltpartikeln stark verunreinigte Vliese können von der faserverarbeitenden Industrie berechtigterweise zurückgewiesen werden. Dies gilt gleichermaßen für Spinnereien wie für Hersteller von Bettwaren.

Wer auf Faserqualität achtet, legt damit bereits im Stall den Grundstein für eine erfolgreiche und wirtschaftliche Weiterverarbeitung.

Die fachgerechte Schur – ein weiterer wichtiger Schritt

Nach der Auswahl geeigneter Tiere bildet die fachgerechte Schur die zweite wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Faserverarbeitung…

Training und Absetzen von Alpaka-Fohlen

Training und Absetzen von Alpakafohlen

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Training und Absetzen von Alpakafohlen

Interview mit Verena Spindler
Foto Verena Spindler

An dieser Stelle freut sich die Redaktion der AllesPaka, wieder einen interessanten und kompetenten Interviewpartner gewonnen zu haben. Der Alpakazuchthof Oberberg ist seit vielen Jahren bzw. Jahrzehnten bereits eine etablierte Größe in der Alpakazucht und gehört zu den 5 größten Zuchtbetrieben in Deutschland. Da wir uns auch schon viele Jahre persönlich kennen, sind wir per Du.

Möchtet Ihr Euch kurz vorstellen?

Seit wie vielen Jahren züchtet Ihr schon Alpakas und wie groß ist Eure Herde? Wir sind die Familien Spindler und Budde und züchten seit 2003 Alpakas, also seit 23 Jahren und unsere Herde umfasst über 200 Tiere.

Wow, das ist schon eine Menge! Da sind auch schon einige Fohlen bei Euch geboren und ausgebildet worden?

Ja, das stimmt. Es sind in der Zeit schon einige hundert Fohlen bei uns zur Welt gekommen.

Werden denn alle Jungtiere bei Euch ausgebildet oder nur die, die auch zur Show gehen?

Nein, es werden alle Tiere ausgebildet. Das ist bei uns schon von Haus aus nicht anders machbar, da wir nicht alle Flächen arrondiert haben und so die Tiere auf die eine oder andere Weide geführt werden müssen. Aber ich finde es auch sehr wichtig, dass Alpakas den Umgang mit dem Menschen gewohnt sind, sowohl bei uns als auch wenn wir sie verkaufen. Ein untrainiertes Tier macht keinen Spaß!

Wann beginnt Ihr mit dem Halftertraining und wie läuft es so ab?

Wir beginnen in der Zeit kurz vor dem Absetzen damit. Dabei nehmen wir die Fohlen am langen Strick mit ihren Müttern auf kleine Runden um den Hof mit. Die Kleinen laufen mit der Mama mit und für die meisten ist das wenig aufregend und wird sehr schnell zur Selbstverständlichkeit. Danach lassen wir nach und nach die Mütter zu Hause. Wenn die Kleinen gut Halfter und Strick akzeptiert haben, steigern wir das Ganze, indem sie andere Wege gehen, zwischendurch mal stehen bleiben müssen und im Weiteren üben wir dann auch schwierigere Strecken, wie z.B. über Plane laufen.

Ok, dann stellt sich natürlich die Frage: Wann setzt Ihr ab?

Wir setzen zwischen dem 6. und 8. Monat ab. Das hat sich sehr gut bewährt.

Manche Empfehlungen sehen vor, Neuweltkameliden frühestens mit neun Monaten abzusetzen und Handling bzw. Training erst ab einem Alter von 10 bis 12 Monaten zu beginnen, um einer Fehlprägung vorzubeugen. Wie seht Ihr das?

DARMPROBLEME BEI ALPAKAS - allespaka

Darmprobleme bei Alpakas

Erkennen und Behandeln

Darmprobleme bei Alpakas

Text & Foto Te Korito Alpacas
Übersetzung Karin Rossmann

Durchfall und Verstopfung bei Alpakas können lebensbedrohlich werden, doch die Ursachen sind vielfältig. Von Parasiten über bakterielle Infektionen bis hin zu Stress oder Fütterungsfehlern: Dieser Artikel zeigt dir, welche Symptome auf welches Problem hindeuten und wann schnelle tierärztliche Hilfe nötig ist.

Verstopfung (Stuhlverstopfung)
Angesichts ihrer ballaststoffreichen Ernährung mag es unlogisch erscheinen, dass Alpakas unter Verstopfung leiden können.

Die Ursache mag unklar sein, aber eine plötzliche Umstellung in der Fütterung, nicht genug Aufnahme von Wasser oder auch Stress können durchaus eine Verstopfung bei Alpakas verursachen. Zu den Symptomen gehören ein häufiges Wälzen auf dem Boden, vermehrte Lautäußerungen, das Liegen auf einer Seite und Tritte gegen den Bauch. All dies deutet auf Bauchschmerzen hin.

Tierärztliche Hilfe ist erforderlich, da die Behandlung Buscopan® (zur Entspannung der glatten Muskulatur), Flunixin (Banamin) zur Schmerzlinderung und Mineralöl, das entweder oral oder rektal verabreicht wird, umfassen kann. Wenn Sie das Alpaka an Halfter und Leine führen, wird die Wirkung des Öls unterstützt. Der Kot wird dann in der Regel nach einigen Stunden und in großen Massen ausgeschieden. Der normale Kotabsatz wird innerhalb von 24 Stunden wieder aufgenommen. (Hinweis: Flunixin wird unter verschiedenen Herstellernamen verkauft)

Durchfall
Die meisten Alpakahalter werden schon einmal ein Alpaka mit Durchfall gesehen haben. Leider gibt es viele Ursachen dafür. Etwas Detektivarbeit kann einige Möglichkeiten vor dem Eintreffen des Tierarztes ausschließen. Durchfall muss ernst genommen werden, da das Alpaka dabei erhebliche Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten verlieren kann.

Im Folgenden finden Sie eine Reihe von Möglichkeiten:

Parasiten: Kokzidien, Giardien und Cryptosporidien sind je nach der jeweiligen Umgebung häufige Ursachen für Durchfall bei Alpakas. Diese können in kontaminiertem Futter oder Wasser vorhanden sein und die Darmschleimhaut des Alpakas schädigen.

Zu den Symptomen können lockerer oder wässriger Stuhl, Gewichtsverlust und eine Verschlechterung des Allgemeinzustands gehören. Die Diagnose erfolgt in der Regel mit Hilfe von Kotuntersuchungen, die Behandlung erfolgt unter Umständen mit Antiparasitika.

Würmer: Alpakas können von Kameliden-spezifischen Wurmarten und auch von Schaf- und Rinderwürmern befallen sein….

Gen- fokussierte Fasermessung-allespaka

Gen-fokussierte Fasermessung

Präzisere Zuchtwerte

Gen-fokussierte Fasermessung

Text & Grafiken Paul Vallely
Übersetzung Karin Rossmann

Die Standardabweichung (SD) des Faserdurchmessers ist genauso wichtig wie der Mikronwert selbst – wird aber oft übersehen. Neue Messtechnologie ermöglicht es jetzt, die genetisch bedingte Abweichung zwischen einzelnen Fasern isoliert zu erfassen.

Die meisten Züchter von faserproduzierenden Tieren wissen um den Einfluss, den der Faserdurchmesser auf das aus ihren Vliesen hergestellte Endprodukt hat. 

Während der Faserdurchmesser als der Aspekt mit dem größten Effekt für die Weichheit des Endprodukts angesehen wird, spielt die Weichheit des Produktes wiederum eine große Rolle bei dem erzielbaren Preis und der Nachfrage. 

Wenn wir jedoch vom Faserdurchmesser sprechen, sprechen wir allzu oft vom durchschnittlichen Durchmesser. So konzentrieren wir uns zum Beispiel auf den durchschnittlichen Mikronwert, der an der Seite des Tieres bestimmt wird, wenn wir die Vliese von Zuchttieren beschreiben. Der mittlere Durchmesser ist aber nur eine Hälfte der Gleichung. Die andere Hälfte ist der Bereich beim Durchmesser, d. h. wie groß der Unterschied zwischen den feinsten und den gröbsten Fasern ist. 

Um den Punkt zu verdeutlichen, stellen wir uns zwei Vliese vor, bei denen die Messung an der Mitte der Tiere jeweils einen durchschnittlichen Durchmesser von 20 Mikrometern ergibt. Ein Vlies kann Fasern von 15 bis 30 Mikron haben, während das andere Fasern von 10 bis zu 40 Mikrometern haben kann. Hier zeigt sich, dass das erste Vlies für Bekleidung geeignet ist, die “direkt auf der Haut getragen wird”, während die 40-Mikron-Fasern im zweiten Vlies dieses nur für Oberbekleidung wie z.B. Pullover geeignet machen. Daher haben wir zwei Vliese mit dem gleichen durchschnittlichen Durchmesser, die jedoch aufgrund des Unterschieds im Durchmesserbereich für zwei verschiedene Märkte geeignet sind. 

Der Bereich des Durchmessers wirkt sich nicht nur auf die Eigenschaften bei der Verarbeitung/dem Verspinnen und das Endprodukt aus, sondern hat auch Auswirkungen auf die Zuchtergebnisse, denn je höher die Abweichung des Faserdurchmessers eines Zuchttieres ist, desto geringer ist die Vorhersagbarkeit der Vliesqualität seiner Nachkommen. 

Wenn wir ein Vlies oder ein Tier in Bezug auf seinen durchschnittlichen Durchmesser beschreiben, bezeichnen wir dieses Maß als dessen „Mikronwert“, obwohl dies technisch gesehen kein wirklich passender Begriff ist, aber ich schwimme hier gerne „mit dem Strom“….


Zuchtwertschätzung-allespaka

Zuchtwertschätzung

eine Option für Alpakas?

Zuchtwertschätzung

Text & Grafiken Dr. Birgit Fürst-Walt

Zuchtwerte sind bei Rindern, Schweinen und Schafen längst Standard – aber bei Alpakas? Eine erste genetische Analyse von 415 österreichischen Alpakas zeigt: Faserqualitätsmerkmale wie Faserdurchmesser, Komfortfaktor und Stapellänge sind vererbbar und könnten züchterisch gezielt verbessert werden.

Bei anderen Nutztierarten sind geschätzte Zuchtwerte seit langer Zeit ein fester Bestandteil der Zuchtpraxis. Mithilfe der Zuchtwerte können die Erbanlagen eingeschätzt werden, um die Auswahl der züchterisch besten Tiere zu erleichtern. Dabei kommt der Definition des Zuchtziels eine große Bedeutung zu, da es vorgibt, in welche Richtung sich die Population entwickeln soll. Langfristig können Zuchtziele nur dann zielführend sein, wenn alle relevanten Merkmale berücksichtigt werden, wie beispielsweise Leistungs-, Fitness- und Verhaltensmerkmale (siehe Abbildung 1). Abbildung 2 gibt einen vereinfachten schematischen Überblick über die Schritte im Zuchtgeschehen.

Mit der Definition des Zuchtziels ist es natürlich nicht getan – die Leistungsprüfung ist eine unabdingbare Voraussetzung für jede züchterische Tätigkeit. Im Hinblick auf eine sinnvolle Leistungsprüfung stellen eine umfassende und korrekte Datenerfassung, -aufbereitung und -verwaltung unbedingt notwendige Voraussetzungen für eine effiziente Zuchtwertschätzung dar. Die Daten aus der Leistungsprüfung sind schließlich die Grundlage für die Zuchtwertschätzung. Ziel der Zuchtwertschätzung ist die Erstellung einer Rangierung der Tiere einer Population gemäß ihrem züchterischen Wert. Erfolgt die Selektion der Elterntiere für die nächste Generation entsprechend der geschätzten Zuchtwerte, kann man einen entsprechenden Zuchtfortschritt erwarten, das heißt, dem Zuchtziel näherkommen.

Allgemeines
Unter dem Zuchtwert versteht man die im Durchschnitt bei den Nachkommen wirksamen Erbanlagen. Mit dem Zuchtwert eines Tieres soll also nicht die eigene Leistung beurteilt werden, sondern die Leistung seiner Nachkommen, wenn es an durchschnittliche Paarungspartner angepaart wird. Der Zuchtwert eines Tieres ist im Gegensatz zu seinem Genotyp keine fixe, sondern eine variable Größe und ändert sich mit der jeweiligen Population, zu der man das betreffende Tier in Beziehung setzt.

Prinzipien der Zuchtwertschätzung
Die grundsätzlichen Prinzipien der Zuchtwertschätzung beruhen auf folgenden Punkten:

  • Die Leistung bei den meisten Merkmalen wird sowohl durch die genetische Veranlagung als auch durch die Umwelt geprägt. Eine wesentliche Aufgabe der Zuchtwertschätzung ist daher die Trennung der genetischen von den umweltbedingten Einflüssen. Für die Zucht sind nur genetische Effekte interessant – je besser die Trennung von Genetik und Umwelt funktioniert, umso größer ist der mögliche Zuchtfortschritt! …
Suris 1- eine antike Spurensuche - allespaka

Suris – eine antike Spurensuche

Suris – eine antike Spurensuche

Text MA Martina Wiede

Die Geschichte der Neuweltkameliden reicht über 6000 Jahre zurück und mit ihr beginnt auch die Frage nach dem Ursprung der Suris. Waren die lockigen Alpakas und Lamas bereits den Inkas bekannt oder sind sie eine moderne Zuchterfindung?

Dieser Artikel nimmt dich mit auf eine Spurensuche durch die Anden-Hochkulturen und zeigt, warum die Herkunft der Suris bis heute ein Rätsel bleibt.

In einer Zeit, als in den Bergen noch Götter wohnten, wurden die ersten Guanako- und Vikunjaherden zusammengetrieben und es begann der weite Weg vom Wild- zum Haustier.

Vor 6.000-7.000 Jahren, so beschreiben es archäologische Knochenfunde, war es dann soweit: Die Indios im Hochland der Anden hatten die ersten Alpakas und Lamas gezüchtet.

Wie die Tiere genau aussahen ist unbekannt. Vielleicht entstand ja schon bei diesen ersten Zuchtversuchen ein Suri, wahrscheinlich ist es jedoch nicht und beweisen lässt es sich anhand der archäologischen Funde erst recht nicht, denn über blanke Knochen lässt sich die Erscheinungsform der damaligen Tiere nicht rekonstruieren. Es dauerte noch einmal 3.000-4.000 Jahre bis man aufgrund von Textilfunden von einer gezielten Farb- und Faserzucht sprechen kann. Auch wenn es schwer ist, bei den Textilien zu unterscheiden, ob es sich um grobe Alpakafasern oder feinstes Lamahaar handelt, oder ob die feinsten Alpakatextilien vielleicht aus grobem Vikunjahaar gefertigt wurden, so soll es doch Surifasern in Textilien aus vorkolonialer Zeit geben.

Aus den Aufzeichnungen spanischer Chronisten weiß man, dass unter dem Regime der Inkas (13. bis 16. Jahrhundert) streng reglementierte Strategien für eine gezielte Kamelidenzucht herrschten. Dieses riesige Reich brauchte kräftige, starke Packtiere für den Warenaustausch, für den Erzabbau, es benötigte Lasttiere für seine Armeen, und die Inkas mussten innerhalb ihres Reiches die Menschen kleiden, also züchteten sie Tiere mit besonderen Faserqualitäten für die staatliche Textilproduktion…