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Blutwerte richtig deuten

Labordiagnostik für Alpakas

Blutwerte richtig deuten

TEXT Dr. Anna-Linda Golob
FOTO KI generiert

Alpakas lassen es sich kaum anmerken, wenn es ihnen nicht gut geht. Als Fluchttiere maskieren sie Schwäche und Unwohlsein so lange wie möglich. Wenn es dann soweit ist, dass sie uns krank erscheinen, zeigen sie häufig unspezifische Symptome wie vermehrtes Liegen, verminderte Futteraufnahme, Teilnahmslosigkeit und Absonderung. Aus diesen Gründen kommt labordiagnostischen Blutuntersuchungen sowohl in der Prophylaxe als auch im Krankheitsfall besondere Bedeutung zu.

Eine Blutuntersuchung beinhaltet die hämatologische Untersuchung und die klinisch-chemische Blutanalyse. Viele Routineuntersuchungen können inzwischen mit Hilfe von in-house-Geräten in der Tierarztpraxis durchgeführt werden. Dabei ist zu beachten, dass diese Geräte evtl. die Blutzellen von Neuweltkamelen nicht zuverlässig erkennen. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Analysen im Veterinärlabor durchführen zu lassen.


Bei der hämatologischen Untersuchung wird das sog. rote Blutbild (Erythrozytenzahl, Hämatokrit, Hämoglobin) sowie die Leukozytenzahl und die Thrombozytenzahl gemessen. Für ein „großes Blutbild“ erfolgt darüber hinaus eine Differenzierung der Leukozyten, der sog. weißen Blutzellen, die bei Entzündungsreaktionen eine wichtige Rolle spielen. Für die Erstellung eines Blutbildes ist es wichtig, dass das Blut in ein Probenröhrchen mit Gerinnungshemmern entnommen wird, z.B. EDTA oder Heparin.


Ein zeitnah angefertigter Blutausstrich kann hilfreich sein, wenn ein Blutbild maschinell aufgrund von Zelldegeneration nicht mehr ausgewertet werden kann. Bei anämischen Tieren kann ein Blutausstrich darüber hinaus wichtige Informationen über die Ursache der Blutarmut liefern.


Im Rahmen der klinisch-chemischen Blutuntersuchung werden Stoffwechselprodukte, Enzymaktivitäten und Mineralstoffe analysiert. Damit diese Stoffe möglichst unverändert bleiben, sollten auch für diese Untersuchungen geeignete Probenröhrchen verwendet werden, z.B. Serumröhrchen. Durch Zentrifugation werden die zellulären Bestandteile des Blutes vom Überstand separiert und nur der Überstand wird untersucht. Diese Trennung von Serum und Blutkuchen ist wichtig, um Veränderungen der Inhaltsstoffe des Serums durch weiteren Stoffwechsel der Zellen zu vermeiden. Zudem minimiert sie das Risiko der Hämolyse, der Zerstörung der Erythrozyten, welche sowohl die Mineralstoff-Konzentrationen im Serum verfälschen kann als auch die photometrischen Messungen anderer Parameter.


Für die Stoffwechseldiagnostik werden im Serum Substrate gemessen, die End- oder Zwischenprodukte im Stoffwechsel darstellen. So kann überprüft werden, ob der Organismus ausreichend mit Nährstoffen und Energie versorgt wird. Bei der Enzymdiagnostik werden …

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gewichtsverlust alpakas allespaka37

Gewichtsverlust bei Alpakas

Systematische Ursachensuche

Gewichtsverlust bei Alpakas

TEXT Claire E. Whitehead
Foto My Alpakas

Gewichtsverlust bei Alpakas erfordert eine systematische Herangehensweise: Zahnkontrolle, Kotuntersuchung auf Parasiten und Futterqualitätsprüfung sind die ersten Schritte. Bei komplexeren Fällen helfen Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren bei der Diagnose.

Gewichtsverlust ist ein häufiges und besorgniserregendes Thema bei Alpakas, mit einer Vielzahl möglicher Ursachen. Um es effektiv anzugehen, muss das zugrunde liegende Problem identifiziert werden, da die Auslöser von schlechter Ernährung bis hin zu chronischen Krankheiten reichen können. Während die Diagnose des genauen Problems oft tierärztliches Fachwissen erfordert, gibt es Dinge, die Sie als Halter unternehmen können, um den ersten Schritt zu machen und wertvolle Informationen zu sammeln. Zögern Sie jedoch nicht, Hilfe anzufordern, wenn der Gewichtsverlust dramatischer oder besorgniserregender ist oder das betroffene Alpaka nicht frisst!

Beginnen Sie mit den Grundlagen

Einige der häufigsten Ursachen für Gewichtsverlust sind einfach zu überprüfen. Beginnen Sie mit der Beurteilung des Körperzustands des Tieres (Abbildung 1) und führen Sie eine gründliche visuelle und körperliche Beurteilung durch:

Untersuchung der Zähne

Überprüfen Sie, ob die Schneidezähne zu lang sind oder ob die Backenzähne scharfe Spitzen haben, die Schmerzen verursachen könnten. Greifen Sie dabei nicht den Fingern in das Maul Ihres Alpakas, denn es hat sehr scharfe Zähne! Mein Vorschlag: Tasten Sie lieber an der Außenseite am Kiefer entlang ob sich etwas “komisch” anfühlt. Mit zunehmendem Alter der Tiere können sich die Backenzähne manchmal lockern und nach außen zeigen. Möglicherweise können Sie auch Lücken erkennen, wo Zähne fehlen können.

Tasten Sie entlang der Kieferlinie nach Schwellungen, die auf einen Zahnwurzelabszess hinweisen können (Abbildung 2). Wenn Sie dies feststellen, rufen Sie Ihren Tierarzt an, und besprechen Sie gemeinsam mit ihm den Schweregrad und die Behandlungsmöglichkeiten. Röntgenaufnahmen eignen sich am besten für die Entscheidung, ob eine medizinische oder chirurgische Behandlung am besten geeignet ist.

Ausschluss von Parasiten 

Sammeln Sie eine frische Kotprobe, um sie auf Würmer, Kokzidien (insbesondere Eimeria macusaniensis) und Egel untersuchen zu lassen, wenn diese in Ihrer Region ein Problem darstellen. 

Es ist in den meisten Fällen empfehlenswert, Kotproben von einigen anderen Tieren zusammen mit der Probe von dem betreffenden Tier einzuschicken, da manchmal präpatente Bürden einige Tiere belasten können, während andere Tiere hohe Bürden haben, aber noch keine klinischen …

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Kommunikation bei Alpakas und Lamas

Körpersprache, Mimik und Lautäußerungen verstehen

Kommunikation bei Alpakas und Lamas

TEXT Dr. med. vet. Ilona Gunsser
Foto Lippeauen Alpakas

Als Herdentiere kommunizieren Alpakas und Lamas über komplexe Körpersprache, Mimik und verschiedene Lautäußerungen. Von Humming über Stressanzeichen bis hin zum charakteristischen Alarmschrei – wer die Signale richtig deutet, kann besser auf die Bedürfnisse seiner Tiere eingehen.

Alpakas und Lamas sind Herdentiere. Um das Gruppenleben zu organisieren, ist eine Verständigung innerhalb der Gruppe wichtig. Wie bei anderen Tierarten und den Menschen findet diese Verständigung mittels der Körpersprache, in Form von Körperhaltung und Mimik, und der Lautsprache statt. Das Prinzip ist bei allen Gruppenmitgliedern dasselbe. Die individuelle Umsetzung bei einzelnen Individuen kann sich allerdings unterscheiden und ist auch von der uneingeschränkten Funktionsmöglichkeit des Sehsinnes, Hörsinnes und Riechsinnes abhängig.
Kommunikation durch Körpersprache

Zur Körpersprache gehören die Stellung der Ohren, des Schwanzes sowie die Körperspannung (vor allem im Hals- und Rückenbereich) und die Blickrichtung. Die Körpersprache muss immer als Gesamtes betrachtet werden. So ist zum Beispiel die Ohrenstellung allein nicht aussagekräftig, die häufige Bewegung der Ohren dient auch dem verbesserten Empfang der Umgebungsgeräusche.

Die Abbildungen 1-3 zeigen die typischen körperlichen Anzeichen bei Entspannung, beginnender Aggression, Drohhaltung, Spucken und Unterkieferhaltung nach aggressivem Spucken. Die Beurteilung der Körpersprache im Bereich des Schwanzes ist bei ungeschorenen Alpakas schwierig, da er von den langen Fasern verdeckt sein kann.

Beim aggressivem Spucken wird Mageninhalt, der normalerweise regurgitiert und dann wiedergekäut wird, mittels der Zunge mit Druck in Richtung des Bedrohten ausgespuckt. Nach starken Spuckattacken entsteht druckbedingt eine neurologische Irritation im hinteren Rachen, die vorübergehend das Abschlucken von Futter nicht möglich macht. Der Spucker lässt den Unterkiefer hängen, kann aber trotzdem zubeißen, falls nötig.

Kameliden spucken gezielt mit Mageninhalt, um sich zu verteidigen. Es entspricht dem beim Menschen ausgeführten Anspucken einer anderen Person mit Speichel. Diese Technik ist nicht vergleichbar mit dem bei einigen Tieren und beim Mensch auftretenden Erbrechen bei einer Erkrankung.

Die Abbildung 4 zeigt ein Alpaka, das sich unterordnet. Dies findet man eher bei jungen Tieren. Bei der Unterordnung versucht das Tier, sich durch Senken des Halses klein zu machen. Zusätzlich wird dabei der Schwanz auf den Rücken geklappt. Ein auf den Rücken Legen des Schwanzes ohne Absenkung des Halses ist ein Zeichen …

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Tourismus und Alpakas

Ein grauer Tag

Tourismus und Alpakas

TEXT & Fotos Christiaan Van der Ham

Ein Besuch auf einer friesischen Alpakafarm zeigt, wie sich der Tourismus wandelt: Weg von der Hektik der Großstädte, hin zu entschleunigten Naturerlebnissen. Niederländische Alpakahöfe profitieren von diesem Trend und bieten Besuchern authentische Begegnungen mit den Tieren.

Der Himmel ist grau und es ist ziemlich windig. Das Auto folgt der kurvenreichen Straße durch kleine Dörfer in Friesland, einer der nördlichen Provinzen der Niederlande. Trotz des eher mittelmäßigen Wetters sehen einige Dörfer aufgrund ihrer Architektur, charakteristischen Elemente, der entzückenden Geschäfte und Restaurants einladend aus. Einige sind auch Teil der berühmten „Elfstedentocht“, einer 222 Kilometer langen Strecke, die normalerweise von Eisläufern genutzt wird. Leider ist dies in letzter Zeit aufgrund des Klimawandels nicht mehr vorgekommen.

Statt Schlittschuh zu laufen, besucht der Autor eine Alpakafarm im Südwesten der Provinz. Mit von der Partie sind einige Freunde und deren Kinder. Alle sind gespannt darauf, die Tiere zu sehen und mehr über sie zu erfahren. (Der Autor lebt selbst in dieser Provinz.)

Diese Gruppe steht für viele niederländische Besucher: junge Erwachsene und ihre Kinder. Sie möchten sich weiterbilden und neue Erfahrungen in und mit der Natur machen. Maßgeblich dabei ist, dass sie der Natur nicht schaden (abgesehen von der Nutzung eines Autos), sondern sie lernen stattdessen etwas über sie. Die Sorge um die Natur sowie Nachhaltigkeit sind für sie von entscheidender Bedeutung.

Erreichbarkeit

In den zurückliegenden Jahren hätte man sich auf Karten und Schilder neben der Straße verlassen. Heutzutage genügen ein Smartphone und GPS. Es ist wichtig, dies zu verstehen. Die meisten Bauernhöfe liegen relativ abgelegen auf dem Land. Daher sind sie für Gäste, die die Website der Höfe besuchen, nicht ohne weiteres sichtbar. Aber auch „Laufkundschaft“, also spontane Besucher kennen den Standort vielleicht nicht.

Das GPS dagegen bringt uns problemlos zum Hof. Wir nutzen den Parkplatz, finden ohne Probleme in die Scheune und sehen sofort einige Alpakas. Wir gehen jedoch zum Empfangsbereich und machen uns bemerkbar. 

Bald begrüßt uns eine Frau vom Hof und bringt uns zu den Alpakahengsten. Sie erklärt uns, wie man sich richtig verhält und wie man ein Alpaka füttert. Danach darf die Gruppe die Alpakas begrüßen. Egal wie alt sie sind, alle Besucher sind begeistert von dieser Veranstaltung.

Jung und Alt, aus der Stadt oder vom Land, es spielt keine Rolle. Die Aufregung ist mit den Händen zu greifen. Und man darf auch Fotos und Videos machen. Das Ergebnis ist eine ganze Reihe von Aufnahmen, die später gezeigt und mit anderen geteilt werden.

 

Nach dem Besuch der Alpakahengste begrüßen wir die Alpakastuten und -fohlen. Es folgt eine weitere Runde der …

 

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Alpaka Physiotherapie Osteopathie allespaka

Physiotherapie, Osteopathie & Co.

Möglichkeiten & Grenzen

Physiotherapie, Osteopathie & Co.

TEXT & Fotos Laura Flessa

In diesem Artikel werden zunächst die unterschiedlichen Therapieformen vorgestellt und anschließend auf spezifische Krankheitsbilder eingegangen, bei denen eine therapeutische Behandlung bei Alpakas sinnvoll sein kann.

Die Bandbreite therapeutischer Möglichkeiten ist beeindruckend und hat sich über die Jahre in der Humanmedizin sowohl in der Behandlung von Kleintieren und Pferden bewährt. Mit der steigenden Anzahl von Alpakas in Deutschland stellt sich jedoch die Frage: Lassen sich diese etablierten Therapieformen auch auf Alpakas anwenden, und wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Therapiemethoden und ihre Wirkweise

Osteopathie als ganzheitliche Therapieform umfasst Techniken, die auf Muskeln, Gelenke, Bänder und Faszien, aber auch auf Organe sowie das Lymph- und Nervensystem wirken. Ziel ist es, Blockaden aufzuspüren und zu lösen, um den Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Beispielsweise zielt die Faszientherapie darauf ab, Verklebungen in den Faszien zu lösen. Diese Bindegewebsschichten umhüllen Muskeln, Nerven und Organe und verbinden diese wie ein Netz. Verklebte Faszien können zu Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit führen. Eine weitere osteopathische Technik ist die Manipulationstherapie, bei der Bewegungsstörungen in Gelenken durch gezielte Impulse gelöst werden.

Diese spezielle Technik zum Lösen von Blockierungen kommt auch in der Chiropraktik zum Einsatz, welche als Therapiemethode zur Behandlung von schmerzhaften Funktionsstörungen der Gelenke der Wirbelsäule und der Extremitäten bezeichnet wird (vgl. De Gruyter, 2024, S. 369).

Die Physiotherapie zielt hingegen auf die volle und funktionelle Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit ab (vgl. Amshoff, 2020, S. 658), nicht nur auf das Lösen von Blockaden.

Hierfür macht sich die Physiotherapie aktive sowie passive Techniken zu Nutze …

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vlies CEM allespaka

CEM – „Coarse Edge Micron“

Faserqualität

CEM – „Coarse Edge Micron“

TEXT Paul Vallely
ÜBERSETZUNG Anita Selig-Smith

Faserproduzenten, die die Qualität ihrer Fasern in den Vordergrund stellen, sind sich der Vorteile bewusst, die sich aus der Messung der Variation des Faserdurchmessers bei ihren Tieren ergeben. Tiere, die Fasern mit geringer Variation im Faserdurchmesser produzieren, zeigen eine größere Vorhersagbarkeit von Fasermerkmalen bei ihren Nachkommen, produzieren Fasern mit überlegener Verarbeitungsleistung und haben oft Erfolg auf Shows und bei Ausstellungen aufgrund ihrer relativ weicheren Fasern und der Einheitlichkeit der Stapellänge.

Der zusätzliche Vorteil bei der Zucht auf geringe Unterschiede im Faserdurchmesser ist die größere Vererblichkeit dieses Merkmales und daher ist es wahrscheinlicher, dass es an zukünftige Generationen weitergegeben wird. Dies bedeutet wiederum eine relativ schnellere Rate genetischer Verbesserung im Vergleich zu den meisten anderen Merkmalen. Wie viele Faserproduzenten wissen, ist die Statistik, die wir suchen, wenn wir die Variation des Faserdurchmessers messen, die Standardabweichung oder SD (aus dem Englischen: standard deviation). SD wird aus einer komplexen statistischen Berechnung abgeleitet, die am Ende einfach bedeutet, wie weit wir uns auf beiden Seiten des Durchschnitts bewegen müssen, um zwei Drittel der Gesamtvariation zu erfassen.

Zum Beispiel bedeutet eine mittelgroße Faserprobe mit einem Durchschnitt von 20,5 Mikron und einer SD von 4,0 Mikron im Allgemeinen, dass zwei Drittel der Fasern in dieser Probe zwischen 16,5 und 24,5 Mikron liegen.

Faserproduzenten mit Kenntnissen über die objektive Vliesmessung sind sich bewusst, dass die Mikronvariation der Fasern in einer Probe nicht gleichmäßig vom Durchschnitt abfällt. Die meisten faserproduzierenden Tiere haben eine Variation, die eher am groben als am feinen Rand der Gesamtvariation ausläuft.

Es ist beispielsweise üblich, in einer Faserprobe oder einem Stapel feinere Fasern bis zu 10 Mikron feiner als den Durchschnitt zu sehen, während die groben Fasern bis zu 15 Mikron gröber als der Durchschnitt sein können. Zwei Beispiele für eine Variation, die typischerweise am groben Rand ausläuft, sind in den Diagrammen 1 und 2 dargestellt. Diese Fasertest-Histogramme zeigen einige Fasern, die etwa 10 Mikron feiner als der Durchschnitt sind, aber Fasern, die etwa 15 Mikron gröber als der Durchschnitt sind. Es sollte beachtet werden, dass die Variation auf beiden Seiten des Durchschnitts jedoch in einem Muster abfällt, das als ’normale Verteilung‘ beschrieben werden kann und somit eine relative Wiederholbarkeit bei objektiven Messungen gewährleistet. Es ist dieses Problem der Variation des Faserdurchmessers, das am groben Rand ausläuft, das eines der größten Probleme für Produzenten von Naturfasern darstellt.

Diese übermäßig groben Fasern haben das Potenzial, die Griffigkeit von Vliesen und das daraus entstehende Garn und damit auch den Stoff zu verrauen, selbst wenn es nur sehr wenige sind. Der Grund dafür ist, dass im Allgemeinen gilt: je höher die Mikronzahl der Faser, desto größer ist der Widerstand gegen Kompression. Das bedeutet, dass sie gegenüber den feineren Fasern im Vlies oder im Produkt, das aus diesem Vlies hergestellt wurde, viel mehr ein kratzendes Gefühl auf der Haut ausüben werden. Mit anderen Worten: eine sehr geringe Anzahl von sehr groben Fasern kann ein ansonsten wertvolles Vlies zerstören.

Offensichtlich haben diese groberen, raueren Fasern auch Konsequenzen …

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alpaca fiesta 2024 peru allespaka

Alpaca Fiesta 2024 in Peru

Erfahrungsbericht

Alpaca Fiesta 2024 in Peru

Text & Fotos Robin Näsemann

Der internationale Alpaka-Richter Robin Näsemann berichtet über seinen Einsatz als Alpaka-Richter auf der Alpaca Fiesta (21.–26. Oktober 2024) in Arequipa/Peru – eine der international wichtigsten Shows der Welt. Ein Bericht aus erster Hand über die persönlichen Erfahrungen, Eindrücke und Wahrnehmungen des international tätigen und AOA zertifizierten Alpaka-Richters.

Alpaca Fiesta: das Who‘s Who der Alpaka-Welt zu Gast im Alpaka-Ursprungsland Peru

Die von der AIA (International Alpaca Association) organisierte Alpaca Fiesta in Arequipa/Peru genießt den Ruf des wichtigsten Alpaka-Events der Welt. Die sechstägige Veranstaltung zielte auch letztes Jahr darauf ab, Züchter weltweit, verarbeitende Industrieunternehmen und Institutionen, die an der Wertschöpfungskette Alpaka beteiligt sind, in einem festlichen und wettbewerbsintensiven Ambiente zusammenzubringen und die Alpakafaser auf dem globalen Textilmarkt zu fördern.

Alpaca Fiesta ist zugleich auch eine Ordermesse, welche neben Alpaka-Produkten auch mit Produktangeboten wie Pima Cotton – also Baumwolle aus Peru – oder Vikunjavlies aus Peru Einkäufer aus der ganzen Welt lockt.

Alpaca Fiesta ist auch im Hinblick auf die Rahmenveranstaltungen ein Event der Extraklasse: zahlreiche Vorträge, Panel-Diskussionen und Gala-Dinner laden internationale Züchter sowie Industrievertreter und Produzenten zum gemeinsamen Austausch ein.

Das Programm: 6 Tage „Alles Alpaka“ – die internationale Alpaka-Welt feiert das Alpaka

Den Auftakt zu einer spektakulären Eventwoche machten am Montag die Besichtigung von Fabriken und geführte Besuche in den wichtigsten Industrieanlagen von Arequipa, in denen Alpakafasern verarbeitet werden. Als Besucher konnten wir dort alle Schritte des Textilprozesses wie Sortieren, Waschen, Kardieren, Kämmen, Spinnen, Färben, Weben oder Stricken, Konfektionieren und Veredeln von Kleidungsstücken aus nächster Nähe beobachten. Unter den Besichtigungszielen war die größte Alpaka-Spinnerei der Welt.

Vicuña Chaccu – traditionelle Gewinnung des „Vlieses der Götter“

Am Dienstag gab es ein besonderes Highlight der Alpaca Fiesta: die sogenannte Vicuña Chaccu – das traditionelle Eintreiben und Scheren der Vikunjas. Chaccu (ein Quechua-Wort für Vikunja-Fang) ist ein aus dem Inka-Reich überliefertes traditionelles Ritual, bei der lebende Vikunjas zur Gewinnung ihrer feinen Fasern eingefangen werden; anschließend werden …

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alpakas halten ohne zwang allespaka

Halten ohne Zwang

Camelid Dynamics

Halten ohne Zwang

TEXT SYBILLE KLASING-MANN
FOTOS
MARTY MCGEE BENNETT

Wer kennt es nicht? Während die Herde an uns vorbei trabt, bemerken wir plötzlich eine kleine Auffälligkeit. Der Versuch, das Tier kurz anzuschauen, endet oft in einer Rangelei. Doch muss das wirklich sein? Dieser Artikel zeigt, wie man Alpakas stressfrei und ohne Zwang halten kann, um Untersuchungen und Pflege entspannt durchzuführen. Entdecken Sie eine sanfte Methode, die auf Vertrauen statt auf Kraft setzt und die Beziehung zu Ihren Tieren stärkt.

Wer kennt es nicht? Während die Herde an uns vorbei trabt, bemerken wir plötzlich diese kleine Beule an Milos Kiefer, das Fleckchen nackte Haut auf Pedros Nase oder eine Wunde an Emilios Bein. Man möchte schnell mal einen Blick darauf werfen und schon beginnt das Chaos. Mit einer Hand umfassen wir Milos Hals, er steigt, schüttelt uns ab und rennt unbeirrt weiter. 

Schon klar, auf der Weide ist das Einfangen schwierig, also verlegen wir die Aktion auf später im Stall. Dort kann er nicht entkommen, und mit zwei Personen lässt er sich bestimmt greifen. Einer versperrt den Fluchtweg, der andere versucht erneut, Milos Hals zu packen. Der steigt diesmal nicht nur, sondern unterstreicht seinen Ärger noch mit einem gut gezielten grünen Spuckeklumpen und ein bisschen Gezeter. Normales Alpakaverhalten? Milo ist schließlich ein dominanter Deckhengst und wir müssen ihm zeigen, wo der Hammer hängt? Andernfalls lernt er, dass er alles mit uns machen kann? Richtig? Nein! 

Unsere Alpakas sind Fluchttiere. Das heißt, eine schnelle Flucht ist ihre wirksamste Strategie, sich vor Fressfeinden zu schützen. Das wichtigste Werkzeug ist dabei ein Satz schlanker, flinker Beine. Aus ihrer Sicht ist daher der Griff nach ihren Beinen eine Bedrohung von Leib und Leben und nur erträglich, wenn die Klauenpflege vertrauensvoll aufgebaut wurde. Das nur mal nebenbei … 

Was genau passiert, wenn wir unsere Alpakas in die Ecke drängen? Wir schneiden ihnen den Fluchtweg ab und provozieren damit eine Gegenwehr in Form von treten, beißen, spucken, steigen oder was auch immer. Möglich ist auch das komplette Erstarren als Angstreaktion. Auf den ersten Blick sehr praktisch für uns, weil das Tier sich nicht wehrt, aber Vertrauen bauen wir auf diese Weise sicherlich nicht auf. 

Dass diese Methoden zumindest schnell gehen ist ebenfalls ein Trugschluss. Ich selbst war vor 20 Jahren nach derartigen Rangeleien mit meinen ersten Alpakas sehr erschöpft und …


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Zahngesundheit bei Neuweltkameliden

ein Leitfaden

Zahngesundheit bei Neuweltkameliden

TEXT & Fotos: Dr. med. vet. Ilona Gunsser

Die Pflege und regelmäßige Kontrolle der Zähne sind entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Neuweltkameliden. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über Milchzähne, permanente Zähne und mögliche Zahnprobleme bei Alpakas und Lamas, um eine artgerechte Haltung zu gewährleisten.

Äußerlich, durch reines Betrachten, ist nur ein kleiner Bereich der vorderen Schneidezähne des Unterkiefers zu sehen. Für Informationen über den Zustand aller anderen Zähne müssen je nach Lokalisation die Lippen zurückgeschoben, bzw. die Kieferbereiche und Backenzähne von außen auf Veränderungen regelmäßig abgetastet werden. Bei unklaren Befunden kann nur eine Untersuchung in Narkose bzw. eine Röntgenuntersuchung weiterhelfen.

Zur Beurteilung von Alpaka- und Lama-Zähnen sind Kenntnisse über deren besondere, artspezifische Eigenschaften nötig.

Milchzähne
Bei der Geburt besitzen Neuweltkameliden im Unterkiefer auf jeder Seite drei Schneidezähne, einen Caninus und zwei Backenzähne. Dazu im Oberkiefer auf jeder Seite ein bis zwei Caninus-ähnliche Schneidezähne, einen Caninus und drei Backenzähne. Alle Canini und die umgewandelten Zähne in der Kauplatte des Oberkiefers bleiben meist vom Zahnfleisch überlagert und sind nur im Röntgenbild zu erkennen.

Mögliche Probleme bei Milchzähnen
Schon beim Milchzahngebiss können, meist genetisch bedingte, Fehlstellungen auftreten. Da Entwicklungen und Wachstum ungleichmäßig voranschreiten, können diese im Laufe der Monate etwas variieren. Milchschneidezähne des Unterkiefers, die an der Kauplatte des Oberkiefers vorbeischieben und ab einer gewissen Länge dadurch die Greifbewegung der Lippen einschränken, …

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Die Zusammensetzung von Futterrationen

Fütterung von Alpakas

Die Zusammensetzung von Futterrationen

TEXT & GRAFIKEN: Dr. vet. Thijs Flahou
übersetzung: karin rossmann

Dieser Artikel erklärt die speziellen Fressgewohnheiten von Alpaks auf der Ebene des Altiplano und die Zusammensetzung von Futterrationen, um ihre Nährstoffbedürfnisse zu decken. Erfahren Sie mehr über die Bedeutung von Raufutter, den Energie- und Proteinbedarf und die Rolle von Vitaminen und Mineralien in verschiedenen Lebensphasen.

Haben wir uns jemals gefragt, wie Alpakas auf den semiariden Ebenen des Altiplano überleben können? Und wie sie sich unter diesen rauen Bedingungen überhaupt vermehren können? Letzteres ist nur zu bestimmten Jahreszeiten und dank einiger physiologischer Anpassungen des Verdauungstrakts dieser Spezies möglich. 

Im Gegensatz zu echten Wiederkäuern sind Alpakas keine echten Weidegänger. Sie sollten eher in die Gruppe der selektiven Abweider eingeordnet werden. Mit ihrer gespaltenen, zum Greifen geeigneten Oberlippe können sie gezielt bestimmte Pflanzenteile aus der Vegetation aufnehmen. Diese Eigenschaft ermöglicht es ihnen, unter den oft sehr schwierigen Bedingungen auf dem Altiplano geeignete Pflanzenteile und Nährstoffe für sich zu nutzen. Weidetiere, wie Rinder und Schafe, die nicht so genau auswählen, würden unter diesen rauen Bedingungen viel mehr ums Überleben kämpfen. 

Es ist falsch zu glauben, dass Alpakas auch bei schlechter Ernährung gedeihen, nur weil das Altiplano eine raue Umgebung ist. Alpakas in verschiedenen physiologischen Stadien (Erhaltungsphase, Trächtigkeit, Laktation, Wachstum) haben unterschiedliche Nährstoffbedürfnisse, die sie in ihrem natürlichen Lebensraum erfüllen können, indem sie ihre selektiven Fressgewohnheiten nutzen. Bei intensiveren Zuchtbedingungen liegt es in der Verantwortung des Alpakazüchters, jedes Tier oder jede Gruppe mit dem angemessenen und ausgewogenen Futter zu versorgen..

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