Zahnprothese für Alpaka

Unser Alpaka bekommt eine Zahnprothese

Unser Alpaka bekommt eine Zahnprothese

Text Verena spindler

Vor vielen Jahren sagte mir einmal jemand: „Wenn Du das Normale bei Deinen Tieren im Griff hast, heißt das nicht, dass sie nichts mehr bekommen – aber es wird exotischer.“ Dieser Satz hat sich in unserer mittlerweile über 20-jährigen Alpakahaltung immer wieder bewahrheitet.

Der Schock war groß …als unsere vielversprechende Jungstute bei ihrem ersten Showauftritt nach hinten gesetzt wurde – mit der Begründung, dass die Zähne nicht korrekt stehen.

Zu Hause wollten wir die vermeintliche Fehlstellung genauer beurteilen und gegebenenfalls korrigieren. Dabei stellten wir jedoch schnell fest, dass sich die zunächst vermutete Zahnfehlstellung gar nicht bestätigte. Stattdessen zeigte sich ein ganz anderes Problem: Die betroffenen Schneidezähne waren deutlich gelockert und schienen traumatisch geschädigt. Es wirkte, als hätte sich die Stute diese teilweise herausgebrochen.

Zusätzlich waren seitlich im Zahnfleisch sowie im Übergangsbereich zwischen Zahn und Gingiva tiefe Einrisse sichtbar. In diesen Bereichen zeigten sich außerdem entzündliche Veränderungen.

Interessanterweise war die Jungstute klinisch zu keinem Zeitpunkt auffällig gewesen. Sie zeigte keinerlei Probleme bei der Futteraufnahme, fraß völlig normal und auch ihre Gewichtsentwicklung verlief konstant. Mit gerade einmal sieben Monaten hatte sie bereits deutlich die 40-kg-Marke überschritten.

Trotzdem war natürlich klar: So konnte es nicht bleiben. Warum wir uns gegen eine Extraktion entschieden …

Candidatus Mycoplasma haemolamae alpaka

Candidatus Mycoplasma Haemolamae

Candidatus Mycoplasma Haemolamae

Text & Bilder Dr. Sarah Grund

Mycoplasmen sind in vielen Alpaka- und Lamabeständen nachweisbar, doch längst nicht jedes infizierte Tier erkrankt auch. Umso wichtiger ist es, die Zusammenhänge zu kennen und klinische Veränderungen richtig einzuordnen. Wann eine Infektion tatsächlich relevant wird und worauf Halter achten sollten, erklärt dieser Beitrag.

Candidatus Mycoplasma haemolamae (nachfolgend als Mycoplasma bezeichnet) ist ein Bakterium, dass den roten Blutzellen (Erythrozyten) bei Neuweltkamelen aufsitzt und diese in ihrer normalen Funktion beeinträchtigt. Daher werden Mycoplasmen oft auch als Blutparasiten bezeichnet. Die Beeinträchtigung infizierter Tiere und die Ausprägung von Symptomen aufgrund einer Infektion ist jedoch sehr unterschiedlich. Nicht jedes infizierte Alpaka oder Lama ist krank! Viele Tiere sind symptomlose Träger.

Symptome

Viele Tiere zeigen keine klinischen Symptome, obwohl sie mit Mycoplasmen infiziert sind. Eine chronische Infektion kann jedoch auch zu schleichender Abmagerung, geringerer Leistungsfähigkeit und einem reduzierten Allgemeinverhalten führen. Bricht die Erkrankung aufgrund auslösender Faktoren akut aus, werden die befallenen Erythrozyten abgebaut, was wiederum zu einer Anämie (Mangel an Erythrozyten) führt. Das Immunsystem kann im Akutfall die massenhafte Vermehrung der Mycoplasmen nicht eindämmen, die Schleimhäute sind blass, die Tiere sind schwach und kommen teilweise zum Festliegen.

Auslöser für den akuten Ausbruch können Stress (Verkauf, Transport, Ausstellungen, Geburt), Parasitosen und andere Erkrankungen sein.

Verbreitung

Studien aus Österreich und der Schweiz zeigten in flächendeckenden Screenings, dass 18 bis 25% aller Neuweltkamele positiv auf Mycoplasmen getestet werden können, wovon nur ein Bruchteil Symptome zeigt. Es ist davon auszugehen, dass nahezu jeder Bestand infizierte Tiere aufweist. Eine Untersuchung in Tennessee (USA) wies bei über einem Drittel aller klinisch gesunden Tiere Mycoplasmen nach.

Übertragung

Zucht und Genetik bei Alpakas

Zucht und Genetik

Probleme & Lösungsmöglichkeiten

Zucht und Genetik

Text Dr. Ilona Gunsser
Foto Alpakafarm Hirtenaue

Gute Zucht beginnt lange vor der Anpaarung. Wer gesunde und leistungsfähige Tiere züchten möchte, kommt an einer sorgfältigen Beobachtung, fundiertem Wissen und einer ehrlichen Bewertung der eigenen Zuchttiere nicht vorbei. Dieser Beitrag zeigt, welche Rolle Genetik dabei spielen kann und worauf Züchter besonders achten sollten.

In der Alpaka- und Lama-Zucht ist die Genetik die wichtige Basis für die Gesundheit, das Wesen und das Erscheinungsbild der Nachkommen. Bei den meisten Haustierarten können heute DNA-Tests die Risiken eines möglichen Weitergebens von Erbkrankheiten reduzieren und die genetische Vielfalt erhalten. Da Alpakas außerhalb von Südamerika als „Nischentiere“ eingestuft werden, besteht leider weniger Interesse für die Entwicklung solcher Testmöglichkeiten. Aktuell gibt es Tests nur bei Alpakas für den Letalitätsfaktor, der durch das Kit-Gen bei Alpakas der Farbe „classic gray“ verursacht wird. Das bedeutet, die Auswahl von geeigneten Zuchttieren, die Kontrolle der Zuchtergebnisse und nötigenfalls der Zuchtausschluss von Tieren, die diverse gesundheitliche Probleme vererben können, obliegt allein den Züchtern.

Zu den Erschwernissen dieser Aufgaben gehört, dass Alpakas und Lamas schon mit ca. 1,5 – 2 Jahren zur Zucht eingesetzt werden, also noch im Milchzahnalter. Ausgewachsen sind diese Tiere allerdings erst mit ca. 5 Jahren. Etwaige problematische, angeborene Veränderungen sind in der jungen Altersklasse, in der sie zur Zucht eingesetzt werden, oft noch nicht vollständig ausgeprägt, oder wegen ihrer zu diesem Zeitpunkt noch geringen Größe nicht zu ertasten und deshalb auch leicht zu übersehen.

Oft fallen genetisch bedingte Fehlbildungen und Fehlstellungen dann erst bei älteren, ausgewachsenen Zuchttieren auf. Da diese jedoch schon einige Jahre zuvor in der Zucht eingesetzt wurden, sind solche genetisch vorhandenen Probleme gegebenenfalls schon auf ihre Nachkommen übertragen worden. Dies ist besonders kritisch bei Hengsten zu sehen, die wegen ihrer in jungem Alter sichtbaren Qualitäten auf Veranstaltungen erfolgreich sind und deshalb danach häufig in der Zucht eingesetzt werden.

Wie erkennt man Fehlstellungen und Missbildungen? Es empfiehlt sich, besonders die Zuchttiere häufig …

Giftpflanzen für Alpakas

Giftpflanzen – Risiken für Neuweltkameliden

Giftpflanzen – Risiken für Neuweltkameliden

Text Barbara Teichmann
Foto Stephanie Traub

Giftpflanzen werden häufig erst dann zum Thema, wenn bereits etwas passiert ist. Dabei lassen sich viele Risiken mit etwas Aufmerksamkeit und dem richtigen Wissen vermeiden. Welche Pflanzen für Neuweltkameliden problematisch sind und worauf Halter besonders achten sollten, zeigt dieser Überblick.

Das Frühjahr und der Sommer sind Zeiten in denen Pflanzen, Bäume und Sträucher besonders üppig wachsen. Jetzt ist Vorsicht geboten, denn viele Wild- und Kulturpflanzen enthalten toxische Substanzen, die bei deren Aufnahme zu Vergiftungen führen können. Für Halter von Neuweltkameliden ist es wichtig, die häufigsten Giftpflanzen zu kennen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Ein bewusster Umgang mit der Weidegestaltung und das Wissen um typische Giftpflanzen sind entscheidend, um die Gesundheit der Tiere zu schützen und Vergiftungen vorzubeugen.

Typische Giftpflanzen in der Weidezeit…

Warum sind Neuweltkameliden betroffen?
Neuweltkameliden sind Pflanzenfresser mit einem empfindlichen Verdauungssystem. Neugierde oder Futtermangel können dazu führen, dass sie giftige Pflanzen oder giftige Bestandteile von Bäumen und Sträuchern aufnehmen. Gerade junge oder frisch gefällte Äste können attraktiv wirken.

Die Symptome einer Vergiftung variieren je nach Pflanze und Menge, reichen aber von Magen-Darm-Beschwerden über Koordinationsstörungen bis hin zu schweren Organversagen.

Prävention und Schutzmaßnahmen…

Faserverarbeitung Alpakawolle

Faserverarbeitung von Alpakavlies

mit Begeisterung oder als notwendiges Übel?

Faserverarbeitung von Alpakavlies

Text Pia schindler
Foto Alpakaland Österreich

Warum entstehen aus manchen Vliesen hochwertige Produkte und aus anderen nicht?
Die Antwort liegt nicht nur in der Faserqualität selbst, sondern in vielen kleinen Entscheidungen, die schon lange vor der Verarbeitung getroffen werden. Wer das berücksichtigt, legt den Grundstein für eine erfolgreiche Nutzung der Alpakafaser.

Die Tierauswahl ist die Grundlage für hochwertige Faser. Eine bewusste Auswahl der Tiere ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen Faserverarbeitung. Schon bei der Anschaffung sollte das Thema Faserqualität berücksichtigt werden. Da die jährliche Schur verpflichtend ist, stellt sich nicht die Frage, ob Faser anfällt, sondern wie gut sie genutzt werden kann.

Wer die gewonnene Rohwolle hochwertig verwerten möchte, sollte bei der Tierauswahl und später auch in der Zucht besonderes Augenmerk auf die Fasermerkmale legen. Die Frage, warum man sich für Tiere mit einem guten Vlies entscheiden sollte, greift daher zu kurz.

Die Faserfeinheit ist entscheidend für ein angenehm weiches und hautschmeichelndes Endprodukt. Ebenso wichtig ist die Gleichmäßigkeit der Fasern, die im Faserhistogramm durch den SD-Wert beschrieben wird. Ein Vlies mit vielen feinen Fasern, aber zugleich einem hohen Anteil grober Grannenhaare, fühlt sich im fertigen Produkt weniger angenehm an als ein gleichmäßiges Vlies mit einer ausgewogenen Faserstruktur.

Diese Überlegungen sollten jeden Alpakahalter bereits vor dem Kauf seiner Tiere sowie bei züchterischen Entscheidungen begleiten. Eine Faserauswertung durch ein Faserlabor kann dabei wertvolle Unterstützung für fundierte Entscheidungen bieten.

Saubere Vliese erleichtern die Verarbeitung. Eine hohe Faserdichte und eine gute Vliesstruktur tragen dazu bei, das Vlies vor Verschmutzungen zu schützen. Mit Heu-, Stroh- oder anderen Umweltpartikeln stark verunreinigte Vliese können von der faserverarbeitenden Industrie berechtigterweise zurückgewiesen werden. Dies gilt gleichermaßen für Spinnereien wie für Hersteller von Bettwaren.

Wer auf Faserqualität achtet, legt damit bereits im Stall den Grundstein für eine erfolgreiche und wirtschaftliche Weiterverarbeitung.

Die fachgerechte Schur – ein weiterer wichtiger Schritt

Nach der Auswahl geeigneter Tiere bildet die fachgerechte Schur die zweite wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Faserverarbeitung…

Training und Absetzen von Alpaka-Fohlen

Training und Absetzen von Alpakafohlen

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Training und Absetzen von Alpakafohlen

Interview mit Verena Spindler
Foto Verena Spindler

An dieser Stelle freut sich die Redaktion der AllesPaka, wieder einen interessanten und kompetenten Interviewpartner gewonnen zu haben. Der Alpakazuchthof Oberberg ist seit vielen Jahren bzw. Jahrzehnten bereits eine etablierte Größe in der Alpakazucht und gehört zu den 5 größten Zuchtbetrieben in Deutschland. Da wir uns auch schon viele Jahre persönlich kennen, sind wir per Du.

Möchtet Ihr Euch kurz vorstellen?

Seit wie vielen Jahren züchtet Ihr schon Alpakas und wie groß ist Eure Herde? Wir sind die Familien Spindler und Budde und züchten seit 2003 Alpakas, also seit 23 Jahren und unsere Herde umfasst über 200 Tiere.

Wow, das ist schon eine Menge! Da sind auch schon einige Fohlen bei Euch geboren und ausgebildet worden?

Ja, das stimmt. Es sind in der Zeit schon einige hundert Fohlen bei uns zur Welt gekommen.

Werden denn alle Jungtiere bei Euch ausgebildet oder nur die, die auch zur Show gehen?

Nein, es werden alle Tiere ausgebildet. Das ist bei uns schon von Haus aus nicht anders machbar, da wir nicht alle Flächen arrondiert haben und so die Tiere auf die eine oder andere Weide geführt werden müssen. Aber ich finde es auch sehr wichtig, dass Alpakas den Umgang mit dem Menschen gewohnt sind, sowohl bei uns als auch wenn wir sie verkaufen. Ein untrainiertes Tier macht keinen Spaß!

Wann beginnt Ihr mit dem Halftertraining und wie läuft es so ab?

Wir beginnen in der Zeit kurz vor dem Absetzen damit. Dabei nehmen wir die Fohlen am langen Strick mit ihren Müttern auf kleine Runden um den Hof mit. Die Kleinen laufen mit der Mama mit und für die meisten ist das wenig aufregend und wird sehr schnell zur Selbstverständlichkeit. Danach lassen wir nach und nach die Mütter zu Hause. Wenn die Kleinen gut Halfter und Strick akzeptiert haben, steigern wir das Ganze, indem sie andere Wege gehen, zwischendurch mal stehen bleiben müssen und im Weiteren üben wir dann auch schwierigere Strecken, wie z.B. über Plane laufen.

Ok, dann stellt sich natürlich die Frage: Wann setzt Ihr ab?

Wir setzen zwischen dem 6. und 8. Monat ab. Das hat sich sehr gut bewährt.

Manche Empfehlungen sehen vor, Neuweltkameliden frühestens mit neun Monaten abzusetzen und Handling bzw. Training erst ab einem Alter von 10 bis 12 Monaten zu beginnen, um einer Fehlprägung vorzubeugen. Wie seht Ihr das?