Das Alpaka-Magazin für Zucht und Haltung

eine Option für Alpakas?

Zuchtwertschätzung

Text & Grafiken Dr. Birgit Fürst-Walt

Zuchtwerte sind bei Rindern, Schweinen und Schafen längst Standard – aber bei Alpakas? Eine erste genetische Analyse von 415 österreichischen Alpakas zeigt: Faserqualitätsmerkmale wie Faserdurchmesser, Komfortfaktor und Stapellänge sind vererbbar und könnten züchterisch gezielt verbessert werden.

Bei anderen Nutztierarten sind geschätzte Zuchtwerte seit langer Zeit ein fester Bestandteil der Zuchtpraxis. Mithilfe der Zuchtwerte können die Erbanlagen eingeschätzt werden, um die Auswahl der züchterisch besten Tiere zu erleichtern. Dabei kommt der Definition des Zuchtziels eine große Bedeutung zu, da es vorgibt, in welche Richtung sich die Population entwickeln soll. Langfristig können Zuchtziele nur dann zielführend sein, wenn alle relevanten Merkmale berücksichtigt werden, wie beispielsweise Leistungs-, Fitness- und Verhaltensmerkmale (siehe Abbildung 1). Abbildung 2 gibt einen vereinfachten schematischen Überblick über die Schritte im Zuchtgeschehen.

Mit der Definition des Zuchtziels ist es natürlich nicht getan – die Leistungsprüfung ist eine unabdingbare Voraussetzung für jede züchterische Tätigkeit. Im Hinblick auf eine sinnvolle Leistungsprüfung stellen eine umfassende und korrekte Datenerfassung, -aufbereitung und -verwaltung unbedingt notwendige Voraussetzungen für eine effiziente Zuchtwertschätzung dar. Die Daten aus der Leistungsprüfung sind schließlich die Grundlage für die Zuchtwertschätzung. Ziel der Zuchtwertschätzung ist die Erstellung einer Rangierung der Tiere einer Population gemäß ihrem züchterischen Wert. Erfolgt die Selektion der Elterntiere für die nächste Generation entsprechend der geschätzten Zuchtwerte, kann man einen entsprechenden Zuchtfortschritt erwarten, das heißt, dem Zuchtziel näherkommen.

Allgemeines
Unter dem Zuchtwert versteht man die im Durchschnitt bei den Nachkommen wirksamen Erbanlagen. Mit dem Zuchtwert eines Tieres soll also nicht die eigene Leistung beurteilt werden, sondern die Leistung seiner Nachkommen, wenn es an durchschnittliche Paarungspartner angepaart wird. Der Zuchtwert eines Tieres ist im Gegensatz zu seinem Genotyp keine fixe, sondern eine variable Größe und ändert sich mit der jeweiligen Population, zu der man das betreffende Tier in Beziehung setzt.

Prinzipien der Zuchtwertschätzung
Die grundsätzlichen Prinzipien der Zuchtwertschätzung beruhen auf folgenden Punkten:

  • Die Leistung bei den meisten Merkmalen wird sowohl durch die genetische Veranlagung als auch durch die Umwelt geprägt. Eine wesentliche Aufgabe der Zuchtwertschätzung ist daher die Trennung der genetischen von den umweltbedingten Einflüssen. Für die Zucht sind nur genetische Effekte interessant – je besser die Trennung von Genetik und Umwelt funktioniert, umso größer ist der mögliche Zuchtfortschritt! …
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