Das Alpaka-Magazin für Zucht und Haltung

Probleme & Lösungsmöglichkeiten

Zucht und Genetik

Text Dr. Ilona Gunsser
Foto Alpakafarm Hirtenaue

Gute Zucht beginnt lange vor der Anpaarung. Wer gesunde und leistungsfähige Tiere züchten möchte, kommt an einer sorgfältigen Beobachtung, fundiertem Wissen und einer ehrlichen Bewertung der eigenen Zuchttiere nicht vorbei. Dieser Beitrag zeigt, welche Rolle Genetik dabei spielen kann und worauf Züchter besonders achten sollten.

In der Alpaka- und Lama-Zucht ist die Genetik die wichtige Basis für die Gesundheit, das Wesen und das Erscheinungsbild der Nachkommen. Bei den meisten Haustierarten können heute DNA-Tests die Risiken eines möglichen Weitergebens von Erbkrankheiten reduzieren und die genetische Vielfalt erhalten. Da Alpakas außerhalb von Südamerika als „Nischentiere“ eingestuft werden, besteht leider weniger Interesse für die Entwicklung solcher Testmöglichkeiten. Aktuell gibt es Tests nur bei Alpakas für den Letalitätsfaktor, der durch das Kit-Gen bei Alpakas der Farbe „classic gray“ verursacht wird. Das bedeutet, die Auswahl von geeigneten Zuchttieren, die Kontrolle der Zuchtergebnisse und nötigenfalls der Zuchtausschluss von Tieren, die diverse gesundheitliche Probleme vererben können, obliegt allein den Züchtern.

Zu den Erschwernissen dieser Aufgaben gehört, dass Alpakas und Lamas schon mit ca. 1,5 – 2 Jahren zur Zucht eingesetzt werden, also noch im Milchzahnalter. Ausgewachsen sind diese Tiere allerdings erst mit ca. 5 Jahren. Etwaige problematische, angeborene Veränderungen sind in der jungen Altersklasse, in der sie zur Zucht eingesetzt werden, oft noch nicht vollständig ausgeprägt, oder wegen ihrer zu diesem Zeitpunkt noch geringen Größe nicht zu ertasten und deshalb auch leicht zu übersehen.

Oft fallen genetisch bedingte Fehlbildungen und Fehlstellungen dann erst bei älteren, ausgewachsenen Zuchttieren auf. Da diese jedoch schon einige Jahre zuvor in der Zucht eingesetzt wurden, sind solche genetisch vorhandenen Probleme gegebenenfalls schon auf ihre Nachkommen übertragen worden. Dies ist besonders kritisch bei Hengsten zu sehen, die wegen ihrer in jungem Alter sichtbaren Qualitäten auf Veranstaltungen erfolgreich sind und deshalb danach häufig in der Zucht eingesetzt werden.

Wie erkennt man Fehlstellungen und Missbildungen? Es empfiehlt sich, besonders die Zuchttiere häufig …

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