Das Alpaka-Magazin für Zucht und Haltung

Präzisere Zuchtwerte

Gen-fokussierte Fasermessung

Text & Grafiken Paul Vallely
Übersetzung Karin Rossmann

Die Standardabweichung (SD) des Faserdurchmessers ist genauso wichtig wie der Mikronwert selbst – wird aber oft übersehen. Neue Messtechnologie ermöglicht es jetzt, die genetisch bedingte Abweichung zwischen einzelnen Fasern isoliert zu erfassen.

Die meisten Züchter von faserproduzierenden Tieren wissen um den Einfluss, den der Faserdurchmesser auf das aus ihren Vliesen hergestellte Endprodukt hat. 

Während der Faserdurchmesser als der Aspekt mit dem größten Effekt für die Weichheit des Endprodukts angesehen wird, spielt die Weichheit des Produktes wiederum eine große Rolle bei dem erzielbaren Preis und der Nachfrage. 

Wenn wir jedoch vom Faserdurchmesser sprechen, sprechen wir allzu oft vom durchschnittlichen Durchmesser. So konzentrieren wir uns zum Beispiel auf den durchschnittlichen Mikronwert, der an der Seite des Tieres bestimmt wird, wenn wir die Vliese von Zuchttieren beschreiben. Der mittlere Durchmesser ist aber nur eine Hälfte der Gleichung. Die andere Hälfte ist der Bereich beim Durchmesser, d. h. wie groß der Unterschied zwischen den feinsten und den gröbsten Fasern ist. 

Um den Punkt zu verdeutlichen, stellen wir uns zwei Vliese vor, bei denen die Messung an der Mitte der Tiere jeweils einen durchschnittlichen Durchmesser von 20 Mikrometern ergibt. Ein Vlies kann Fasern von 15 bis 30 Mikron haben, während das andere Fasern von 10 bis zu 40 Mikrometern haben kann. Hier zeigt sich, dass das erste Vlies für Bekleidung geeignet ist, die “direkt auf der Haut getragen wird”, während die 40-Mikron-Fasern im zweiten Vlies dieses nur für Oberbekleidung wie z.B. Pullover geeignet machen. Daher haben wir zwei Vliese mit dem gleichen durchschnittlichen Durchmesser, die jedoch aufgrund des Unterschieds im Durchmesserbereich für zwei verschiedene Märkte geeignet sind. 

Der Bereich des Durchmessers wirkt sich nicht nur auf die Eigenschaften bei der Verarbeitung/dem Verspinnen und das Endprodukt aus, sondern hat auch Auswirkungen auf die Zuchtergebnisse, denn je höher die Abweichung des Faserdurchmessers eines Zuchttieres ist, desto geringer ist die Vorhersagbarkeit der Vliesqualität seiner Nachkommen. 

Wenn wir ein Vlies oder ein Tier in Bezug auf seinen durchschnittlichen Durchmesser beschreiben, bezeichnen wir dieses Maß als dessen „Mikronwert“, obwohl dies technisch gesehen kein wirklich passender Begriff ist, aber ich schwimme hier gerne „mit dem Strom“….


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